Donnerstag, 15. August 2024

#kulinarische Weltreise Iran


"Gewürze, Geschmortes, Gastfreundschaft" und die Sinneserfahrung der perfekten Balance von Aromen, Texturen und Komponenten - dafür sei die persische Küche bekannt. Das schreiben die Zwillingsschwestern Forough und Sahar Sodoudi in ihrem Kochbuch. Das von ihnen gegründete "Dr & Dr Middle Eastern Culture and Food Lab" in Berlin ist nicht einfach nur eine Cateringfirma, sondern verbindet Essen und Kochkurse mit der iranischen Kultur. Davon erzählt auch dieses Kochbuch neben Rezepten von Mezze bis zu Desserts. 

Für die" kulinarische Weltreise"(siehe weiter unten) habe ich ein Rezept für Shami Torsh ausprobiert, das sind Fleischlaibchen in Tomatensauce oder, wie es im Kochbuch heißt, "Persische Frikadellen in einer Tomaten-Jungtraubensaft-Sauce".


(unbezahlte Werbung)

Jungtraubensaft bekommt man bei uns unter dem französischen Namen Verjus und er wird seit einigen Jahren wieder im Kamptal in Niederösterreich aus unreif geernteten Trauben hergestellt. Es gibt ihn in rot aus Zweigelt Trauben, der ist milder als der weiße und auch für Spritz geeignet. Ich habe momentan den weißen bzw. helleren Verjus aus Veltliner Trauben zu Hause. Verjus wurde ursprünglich bei uns viel mehr verwendet als heute, bis mit den Kreuzzügen im Mittelalter die Zitrone kam...

Ich mag Verjus gerne statt Essig besonders für Salatmarinaden oder zum Ablöschen und Verfeinern von Schmorgerichten, Gemüse, Chutneys etc. Überall dort, wo man Essig oder Zitronensaft reintun würde, passt Verjus, der aber weniger säuerlich ist. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. 

Für jede beliebige Tomatensauce, nicht nur für die heutige persische, finde ich Verjus als milden Säuregeber sehr ideal! Für mich muss allerdings auch eine gute Prise Zucker in die Sauce kommen, die steht aber nicht im heutigen Originalrezept. 





Shami Torsh
frei nach Forough und Sahar Sodoudi

Zutaten für 3 - 4 Personen:

Fleischlaibchen:
1 mittelgroße, rote Zwiebel
ca. 250 - 300 g Faschiertes / Hackfleisch vom Rind
3 kleine Kartoffeln, eine festkochende Sorte (2 für die Fleischmasse, 1 Kartoffel für frittiertes Kartoffelstroh)
1/2 TL Kichererbsenmehl o.a. Mehl
1/4 - 1/2 TL Kurkuma
Salz
schwarzer Pfeffer

Rapsöl zum Braten

Sauce:
150 g Tomatenmark (ich habe weniger Tomatenmark und zusätzlich frische, klein geschnittene Paradeiser aus dem Garten verwendet)
50 g Butter
50 ml Verjus / Jungtraubensaft, ersatzweise ein milder Weißweinessig
bis zu 500 ml Wasser nach Bedarf (besser weniger)
1/4 TL Zimt
Salz
schwarzer Pfeffer
optional 1 Prise Zucker

Zubereitung:
  • Vorbereiten: Die Zwiebel und Kartoffeln (roh) schälen und jeweils raspeln bzw. mehr oder weniger fein reiben. In getrennten Sieben abtropfen lassen und ein bisschen ausdrücken.

  • Alle Zutaten für die Fleischlaibchen gut vermischen und abschmecken, dabei von den geriebenen Kartoffeln nur ungefähr 2/3 verwenden. Kurkuma vorsichtig dosieren.
  • Aus der Masse ca. 10 - 12 Laibchen formen und in Rapsöl beidseitig rasch goldbraun anbraten, aber nicht durchgaren. Die Laibchen herausnehmen und auf einem Teller parken.

  • Sauce: In der selben Pfanne (ein Zuviel an Öl abgießen) das Tomatenmark in der geschmolzenen Butter anbraten, mit Verjus ablöschen und mit den restlichen Zutaten rund 10 Minuten sanft köcheln lassen. Dabei nicht das ganze Wasser auf einmal reinleeren, das wäre mir zuviel, nur nach Bedarf. Die Sauce dann abschmecken.
  • Die Fleischlaibchen einlegen und das Gericht weitere 30 Minuten mehr ziehen als köcheln lassen.

  • Für die Deko oder Garnitur werden die restlichen geriebenen Kartoffeln noch für wenige Minuten in kaltes Wasser gelegt und gut abgetropft bzw. mit einem Tuch ausgedrückt.
  • In reichlich Öl frittieren und das Kartoffelstroh obenauf anrichten (darauf habe ich leider vergessen).

Als Beilagen passen Reis und ein Joghurtdip mit frischen Kräutern...


~ 1 ~


~ 2 ~



Die geriebenen Kartoffeln in der Fleischmasse sind außergewöhnlich und haben uns sehr gut gefallen. Eine interessante Idee, die Laibchen halten dadurch auch gut zusammen. Die Zwiebel zu reiben (unter Tränen) und auszudrücken macht sie am Ende milder, fand ich. Vom Kurkuma sollte man besser nicht zu viel erwischen oder sich herantasten... 

Insgesamt ist es ein sehr stimmiges, geschmackvolles Gericht! Und wie oben gesagt, passt Verjus perfekt in Tomatensaucen! 


der Iran und seine Nachbarn,
Israel ist auch nicht so weit entfernt



Ich schicke mein Shami Torsh zum Dauerblogevent kulinarische Weltreise von Volker, das virtuelle Ziel ist im August der Iran. Tatsächlich in den Iran zu reisen, ist momentan leider nicht ratsam... So kochen wir ein landestypisches Gericht und schicken gute Gedanken an die Menschen im Land und in der Region, oder?


Die beiden Autorinnen Forough und Sahar Sodoudi haben im Kochbuch ein ganzes Kapitel (Frau.Leben.Freiheit.) der Situation der Frauen im Iran gewidmet. Sie erzählen von Mahsa Amini, von anderen Frauen und von ihren eigenen Erfahrungen mit der Religionspolizei an der Universität und im Alltag. Es ist ein berührendes und aufrührendes Kapitel, allein schon deshalb finde ich dieses Kochbuch lesenswert. Ich habe es als e-book gekauft und schaue gern öfter rein (unbezahlte Werbung).

Die beiden konnten den Iran 2000 verlassen, um in Berlin ihre jeweiligen naturwissenschaftlichen Studien abzuschließen und zu arbeiten. 2018 haben sie ihre akademischen Karrieren an den Nagel gehängt und widmen sich seither als "Dr & Dr" nur mehr der Kulinarik. 





Linkliste der #kulinarischen Weltreise in den Iran:

Regina von Bistroglobal mit Iranische kalte Gurkensuppe 
Britta von Brittas Kochbuch mit Sup-e Esfanaj - Persische Spinat-Joghurt-Suppe 
Wilma von Pane-Bistecca mit Adas Polo - Linsen-Reis aus dem Iran 
Susanne von magentratzerl mit Abgusht 
Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Joghurt-Khoresh - koresh-e mast 
Wilma von Pane-Bistecca mit Koofteh Tabrizi 
Simone von zimtkringel mit Mirza Ghasemi - persisches Auberginenmus 
Wilma von Pane-Biatecca mit Kashk-e Bademjan Iranischer Auberginen Dip 
Friederike von Fliederbaum mit Shami Torsh - Fleischlaibchen in Tomatensauce 
Britta von Brittas Kochbuch mit Imbiss Paliz 
Britta von Backmaedchen 1967 mit Noon Khamei-persische Windbeutel 
Tina von Küchenmomente mit Malake Badam - persischer Butterkuchen 


Die Liste ist komplett. Danke an Volker fürs Organisieren der "Weltreise".






Montag, 12. August 2024

12 von 12 im August im Waldviertel

 


Es ist Montag, der 12. August und wie jedes Monat ein 12 von 12-Tag


1

1    Heute nehme ich euch mit in den hübschen Ort Gars am Kamp im Waldviertel im nördlichen Niederösterreich. Wir haben unsere Autowerkstatt hier im Ort und stellen das Auto für eine kleine Reparatur bis morgen ab.
Gars nennt sich "Luftkurort" und auch unzählige Schwalben finden das sichtlich toll... Wir waren sehr  überrascht, wie viele sich hier tummeln, auf dem Kirchendach, auf den Drähten und in der Luft. Seht ihr das auf dem Foto? Schön, oder?


2

2    "Wo Schwalben nisten, wohnt das Glück" heißt es. Hier in Gars dürfen sie an vielen Häusern ihre Nester haben und werden nicht vertrieben, wie es mancherorts leider vorkommt (Info).


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3    Gars hat einen hübschen Hauptplatz, der leider außer am Samstag nicht autofrei ist, aber dann findet hier der wöchentliche "Viktualienmarkt" statt. Es ist jedes Mal viel los und das Angebot an diversen Bioprodukten und Wein aus dem Kamptal ist gut. 


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4    Wir sind heute auf ein 2. kleines Frühstück eingestellt und setzen uns in den noch kühlen Gastgarten der Ortskonditorei (alles heute ist unbezahlte Werbung).


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5    Sie sind hier berühmt für den so genannten "Mohnzuzler" oder Mohnzelten, das ist ein süßes Gebäck mit viel saftiger Mohnfülle. Ich nehme zwei Stück mit nach Hause, eigentlich sind mir die Dinger zu üppig. Aber einmal im Jahr darf es sein...


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6    Über dem Ort wacht die Burgruine Gars. Sie wurde im 11. Jahrhundert erbaut und ist eine der ältesten Burgen Österreichs aus der Zeit, als die Babenberger regierten ( bis 1246). Vor allem von hier aus wurde das damals unzugängliche Waldviertel kolonialisiert und Klöster und Ortschaften gegründet. 


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7    Lost places, unten und oben... nur wird die Burg oben im Sommer für open air-Opern und Konzerte genutzt. Die Villa hat ihre beste Zeit hinter sich, was wohl aus ihr wird?


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8    Mit dieser "Pimperlbahn" fahren wir zurück nach Horn, wo wir in der warmen Jahreszeit immer öfter in unserem Zweitwohnsitz wohnen. Morgen gehts auf dem selben Weg wieder retour nach Gars, um das Auto abzuholen.


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9    Der Zug fährt gemächlich am Kamp entlang und über einige Brücken, hoch oben auf einem Felsen thront die prächtige Rosenburg. Hier habe ich sie schon gezeigt, nur ins dortige open air-Theater haben wir es heuer nicht geschafft. 


10

10    Momentan dreht sich nämlich bei uns fast alles ums Entrümpeln des Hauses. Beim Nachhausekommen empfangen uns nicht nur die Sonnenblumen, sondern unser riesiger "Müll- und Gerümpelhaufen". Er wird demnächst zur Entsorgung abgeholt und wir können fürs erste aufatmen.


11

11    Drinnen (im ehemaligen Schlafzimmer meiner Mutter) sieht es momentan so aus und das ist erst der Anfang... 😒
Im Herbst bekommen wir einen Kachelofen und nächstes Jahr geht der Hausumbau erst richtig los. 


12

12    Mein wilder Garten ist daher heuer wirklich wild und ziemlich ungepflegt. Den Paradeisern macht das zum Glück nichts aus, sie gedeihen trotzdem prächtig. So gibt es am Abend noch einen erfrischenden bunten Salat und alles ist gut!


Wie habt ihr den Tag verbracht?

Liebe Grüße momentan aus Horn 😊



Verlinkt mit Caro vom Blog Draußen nur Kännchen, vielen Dank fürs Sammeln der Beiträge!




Sonntag, 11. August 2024

Fisolen und Beurre manié




Blog-Event CCX – Hülsenfrüchte (Einsendeschluss 15. August 2024)


Das Hülsenfrüchte-Blogevent von Britta bei Zorras Kochtopf biegt schön langsam in die Zielgerade ein und ich möchte sehr gerne noch mitmachen. 

Hülsenfrüchte aller Art stehen bei uns zeitweise sehr oft auf dem Tisch, dann wieder weniger... weiß der Himmel. Aber besonders ich mag sie gerne, weil sie (mir) einfach gut schmecken und nicht nur, weil sie eine gesunde pflanzliche Eiweißquelle sind. 



Diese herrlichen gelben Fisolen habe ich kürzlich direkt von einem Bauernhof im Waldviertel (im nördlichen Niederösterreich) erstanden, frischer als direkt vom Feld geht nicht...

Wie heißen diese Dinger bei euch? Grüne "normale" Fisolen sind grüne Bohnen, aber die gelbe Sorte? Gelbe Bohnen? Wachsbohnen?


Auf jeden Fall mag ich die gelben und die grünen Fisolen sehr gerne in einem Salat, am liebsten noch lauwarm - ein perfektes kleines Mittagessen, oder? 

Aus meinen schönen gelben Fisolen habe ich dieses Mal einen gebratenen Salat mit Beurre manié ausprobiert. Beurre manié klingt gleich viel feiner und leichter als Mehlbutter - das sind auch schon die zwei Hauptzutaten. Damit kann man Saucen binden, Gemüse etc. und sie ist aus dem Tiefkühler jederzeit greifbar. Auch brauche ich kein handelsübliches Produkt und weiß, was in meinem "Bindemittel" enthalten ist!





Beurre manié ~ Mehlbutter für den Vorrat

100 g weiche Butter (oder eine vegane Alternative, wie Kokosfett, Margarine)
100 g Mehl

optional 2 Knoblauchzehen oder fein gehackte Petersilie etc.

Alles miteinander verkneten, portionsweise rund formen oder in Pralinenförmchen füllen und einfrieren. Ich habe meine Mehlbutter in eine Form gestrichen und nach dem Festwerden in kleinere und größere Rechtecke geschnitten. Dann eingefroren. 

Bei Verwendung löst man sie langsam unter Rühren in einer nicht kochenden Sauce oder Gemüse auf. Dann noch ungefähr 7 Minuten leicht garen, dass sich der Mehlgeschmack abbauen kann. 








gebratener gelber Fisolensalat

2 Hände voll gelbe Fisolen / gelbe Bohnen

etwas Rapsöl
1 kl. Zwiebel, in kleine Würferl geschnitten
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
Salz, Pfeffer
1/2 bio Zitrone, Saft und abgeriebene Schale
1/2 Stk. Mehlbutter wie oben

etwas kaltgepresstes bio Öl zum Beträufeln
frische Kräuter zum Bestreuen


Die Fisolen putzen (die Enden abschneiden), in gefällige Stücke schneiden und in Salzwasser knackig weich kochen, abseihen.

In einer Pfanne die Zwiebel in wenig Öl glasig braten, nicht Farbe nehmen lassen. Die Fisolen beifügen und unter Rühren bei größerer Hitze durchbraten, sie können dabei Röstaromen bilden (Achtung, dass nichts anbrennt).
Die Hitze wieder reduzieren, würzen und mit Zitronensaft verfeinern, dann die Mehlbutter unter Rühren auflösen und noch einige Minuten weiter braten, ggf. einen Schluck Wasser beifügen. Abschmecken.
Den Salat anrichten, mit einem hochwertigen Öl beträufeln, mit Kräutern und der Zitronenschale bestreuen. 

Er passt als Beilage zu allerlei und auch solo mit einem Stück Baguette. Mehr brauche ich dann nicht... 💛





Ich habe noch weitere Lieblingsrezepte von Hülsenfrüchten auf dem Blog:









Diese gehaltvolle Linsensuppe mit Kartoffeln, Karotten und Apfel hat es noch nicht auf den Blog geschafft. Auch nicht mein lauwarmer Lieblingssalat mit Fisolen / grünen Bohnen, der an den Nizza-Salat angelehnt ist... 


Liebe Britta, vielen Dank für deine Idee zu diesem schönen Blogevent und dass du mich damit an meine liebsten Hülsenfrüchte-Rezepte erinnerst








Sonntag, 21. Juli 2024

Klarapfelernte

 


Die Klarapfelernte geht bei mir im Garten in Niederösterreich schön langsam dem Ende zu. Der uralte und knorrige Baum hat heuer so gut getragen wie schon lange nicht -- Segen und Fluch zugleich, denn wenn Klaräpfel reifen, ist man vielbeschäftigt, oder?



Leider faulen viele Äpfel schon am Baum oder fallen frühzeitig ab, wurmig sind bei mir mit wenigen Ausnahmen sowieso fast alle... 😝 

Die alte und frühe Sorte Weißer Klarapfel ist eine Diva und verlangt Aufmerksamkeit.

Die Äpfel wollen am besten sofort nach dem Pflücken (oder wenn sie vom Baum fallen) gegessen oder verarbeitet werden. Dann schmecken sie auch am besten, schön säuerlich und frisch! Lagern kann man sie nicht, denn liegen die Äpfel ein bisschen herum, werden sie mehlig und trocken. Auch fangen sie bald zu faulen an, zumindest bei mir. Daher findet man Klaräpfel auch so gut wie nie auf Märkten. Ich hoffe, mein Baum, den noch meine Großeltern Mitte des vorigen Jahrhunderts gesetzt haben, hält noch lange durch!



Ich habe zuletzt in meinem Trauer-Retreat also sozusagen gleich eine Klarapfel-Kur gemacht, hauptsächlich in Form von Apfelmus (am liebsten ist es mir mit einem Klecks Naturjoghurt und ein bisschen Honig). Übrigens kann ich als Apfel-Allergikerin Klaräpfel problemlos auch roh essen -- Stichwort alte Sorte.


Was gab es noch mit Klaräpfeln...



rosa Klarapfelmus zum Schmarrn

Dass das Klarapfelmus rosa wird, habe ich einen Teebeutel mit rotem Früchtetee mitgekocht. Das Rezept des feinen Topfenschmarrns (ähnlich wie ein Kaiserschmarrn) mit Marillenröster reiche ich bald nach. 





Klarapfelschlangerl nach diesem Rezept

Die Klaräpfel für meinen liebsten mürben Apfelstrudel habe ich etwas dicker als sonst geschnitten, sie sind schnell weich. Auch braucht man keinen Zitronensaft, da Klaräpfel meist eh genug Säure mitbringen. 





Klarapfel-Creme brulee

Zutaten für 4 kleine Dessertportionen:

Apfelmus:
200 g Apfelmus aus Klaräpfeln o.a. säuerlichen Äpfeln
1 Zimtstange
ein paar Nelken
1 EL Zucker
Vanille
1 Glas Weißwein oder Apfelsaft

Creme:
100 g Schlagobers / flüssige Sahne
3 Eidotter
1-2 EL Staubzucker

ca. 1 EL Kristallzucker pro Portion zum Bräunen

Zubereitung:

Aus allen Zutaten ein Apfelmus kochen, dann die Gewürze entfernen und die meiste Flüssigkeit abgießen (und trinken). Das Apfelmus soll fein püriert und ein wenig ausgekühlt sein.

Für die Creme alle Zutaten vermixen, dann das Apfelmus einrühren und abschmecken. In 4 ofenfeste und eher flache Dessertschüsserl oder Gläser füllen. 

Das Backrohr auf 100°C Umluft vorheizen. Die Schüsserl auf ein Backblech stellen und mit heißem Wasser untergießen, sodass sie bis zur Hälfte im Wasser stehen. Die Creme 40 Minuten stocken lassen, dann herausnehmen und kaltstellen. 

Die Creme jeweils mit Kristallzucker bestreuen und mit einem Gas-Gerät karamellisieren. 



Dieses Dessert ist eine wirklich feine Sache, fanden wir, und einmal etwas anderes als die "normale" Creme brulee! Im www finden sich viele ganz ähnliche Rezepte für eine (Brat-)Apfel Creme brulee, aber mit Klaräpfeln schmeckt sie frischer! 



😋 Empfehlung!



Habt ihr auch einen Klarapfelbaum im Garten? Mich würde interessieren, habt ihr vielleicht ein spezielles Rezept, das ihr NUR mit Klaräpfel macht?

Alles Liebe!




Dienstag, 9. Juli 2024

der letzte Kuchen

 

Ein Schokoladekuchen, von mir gebacken, so wie dieser auf dem Bild, war das letzte, was meine Mutter gegessen hat. 


Sie hatte schon einige Wochen vorher körperlich und geistig zunehmend abgebaut. Aber ein kleines Stück Kuchen hat sie mit Genuss verspeist (Süßes ging immer) und einen Kräutertee (für vermehrte Flüssigkeitszufuhr) dazu getrunken. Hat sich dann bekreuzigt und in der Folge Essen und Trinken komplett verweigert. Trotz schwerer Demenz muss sie die Entscheidung in diesem Moment klar getroffen haben. Ich habe das gemeinsam mit vernünftigen Ärzten natürlich akzeptiert.

Nach unglaublichen 13 Tagen Dämmerzustand ohne Flüssigkeit und Nahrung (es war nichts zu machen), liegend in einem gemieteten Krankenbett zu Hause, mehr weggetreten als da, in friedlicher Atmosphäre, konnte meine Mutter endlich loslassen.
Ich war viel bei ihr, fast rund um die Uhr, und mit Pflege-Hilfe der rumänischen 24-Stunden Betreuerin Neli. Bis zum Schluss habe ich ihre Hand gehalten und sie bestärkt loszulassen (obwohl jeder diesen letzten Weg alleine und auf eigene Weise gehen muss). 
Sie ist 89 Jahre alt geworden und wir tragen sie noch diese Woche zu Grabe.

Ich habe die Theorie (die mir eine Hospiz-Krankenschwester bestätigt hat), dass Menschen leichter sterben, wenn sie sich vorher mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Mit meiner Mama haben wir nie über ihr Lebensende, spirituell oder organisatorisch, sprechen können, sie hat leider immer abgeblockt, wollte nichts davon wissen... Ich bin da anders und beschäftige mich schon seit jungen Jahren mit dem Tod, ob danach etwas kommt etc. Könnt ihr das Thema "aushalten" oder schiebt ihr es beiseite?


meine Mama im Jahr 2010

Vor nicht einmal 2 Monaten habe ich euch am Muttertag dieses Bild von ihr gezeigt, das einige sehr positiv gefunden hatten. Danke noch einmal für die lieben Kommentare!


Diesen speziellen schön schokoladigen Schokokuchen bzw. Torte widme ich nun meiner Mama. Bei uns gibt es ihn jetzt öfter und es lohnt sich! 😋 Empfehlung!



saftige Schokolade-Mohn Torte bzw. Kuchen

Zutaten für eine Tortenform von ca. 24 - 26 cm oder 1 mittelgroßes Backblech:

Teig:
150 g Butter
170 g dunkle Schokolade 70%
6 Eier
1 Prise Salz
170 g Zucker
Vanille
40 g Mehl
80 g Mohn, gemahlen bzw. gequetscht
1 Messerspitze Backpulver

Fülle und rundherum:
reichlich fein passierte Marillenmarmelade
optional Inländer-Rum

Guss:
100 g dunkle Schokolade 70%
ca. 100 ml Schlagobers / flüssige Sahne
1 TL Honig

Zubereitung:

  • Butter und Schokolade gemeinsam unter Rühren sanft schmelzen und ein bisschen überkühlen lassen.
  • Die Eier trennen und mit einer Prise Salz einen Eischnee schlagen.
  • Eidotter mit Zucker und Vanille gut schaumig schlagen. Langsam die Butter-Schokomischung einfließen lassen und dann Mehl plus Mohn einrühren. Zum Schluss den Eischnee unterheben. 
  • Die Masse entweder in eine vorbereitete Tortenform füllen oder auf ein Backblech + Papier streichen. 
  • Im Backrohr bei ca. 175-180°C backen, die Torte 45 Minuten bis 1 Stunde, ein Kuchen am Blech sollte in 30 Minuten fertig sein. Unbedingt die Stäbchenprobe machen.

  • Die ausgekühlte Torte waagrecht einmal auseinander schneiden bzw. den Kuchen in zwei Teile schneiden. Großzügig mit Marillenmarmelade bestreichen und zusammensetzen. 
  • Für den Guss die Zutaten gemeinsam langsam schmelzen, auf lauwarm überkühlen lassen und auf die Oberfläche streichen. 



Es handelt sich eigentlich um mein Sachertorten-Rezept und ich habe nur die Semmelbrösel mit Mohn getauscht. Dadurch wird der Kuchen sehr schön saftig, weil Mohn einen hohen Fettgehalt hat.  Zusätzlich enthält er zahlreiche mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Mineralstoffe (Info).
Den Überguss mache ich mittlerweile am liebsten nur mit Schokolade und Obers ohne Butter oder Kokosöl, also eine Ganache. Eine perfekte Kombination! 



Hand halten bis zum Schluss
(hier war sie noch ein bisschen wacher)

Auf ein Wiedersehen, Mama 💗


Ich lege eine kurze Blogpause ein, freue mich aber wie immer über Kommentare! 






Sonntag, 7. Juli 2024

Roosterkoek und Chakalaka

 


Volker schickt uns mit seiner "kulinarischen Weltreise" im Juli nach Südafrika. Das bedeutet vor allem, sich mit dem vorgegebenen Land zu beschäftigen, ein landestypisches Rezept zu finden und zuzubereiten. Ich mache sehr gerne mit und habe so schon mehrere weit entfernte Länder virtuell kennen gelernt - zum Beispiel Äthiopien, Peru, Bangladesh, Afghanistan, Grönland etc. 

In Südafrika wird offenbar gerne in geselliger Runde gegrillt. BRAAI ist der Ausdruck dafür, er bedeutet braten oder grillen und ist gleichzeitig eine Lebenseinstellung. Ich war nie dort, aber das gefällt mir sehr... 😊



Roosterkoek - südafrikanisches Grillbrot
nach Jamie Oliver

Zutaten für ca. 20 kleine Weckerl / Brötchen:

500 g Mehl (ich: Weizen- + Dinkelvollkornmehl gemischt)
1/2 TL Salz
1/2 TL Zucker
1 P. Trockengerm / Hefe
30 g kalte Butter in kl. Würfeln
300 ml lauwarmes Wasser

Zubereitung:

Die trockenen Zutaten Mehl, Salz, Zucker und Germ vermischen und die Butterwürferl mit den Händen einarbeiten ("verbröseln"). Dann das Wasser zugeben und den Teig kneten, bis er geschmeidig ist und sich vom Schüsselboden löst. 

Den Teig zugedeckt aufgehen lassen, bis er sein Volumen verdoppelt hat. Dann nochmals kurz verkneten und auf einer bemehlten Fläche rel. dick (2 cm) ausrollen. Mit einer Teigkarte in beliebig viele Stücke schneiden - sie können auch unregelmäßig sein und nicht immer exakt rechteckig. Die Teile mit Mehl bestäuben und zugedeckt 10 Minuten entspannen lassen.

Die Teilchen auf dem Grill backen oder wie ich im Backrohr auf einem Backblech bei 200°C ca. 20 Minuten, bis sie gebräunt sind. 


Laut Originalrezept werden aus der doppelten Teigmenge interessanterweise nur 6 Grillbrote, die müssen dann aber ziemlich groß sein... (?) Meist sieht man im www aber kleine Weckerl bzw. Brötchen und genauso habe ich sie gemacht. Frisch schmeckt das Grillgebäck am besten, aber es lässt sich auch gut einfrieren und aufbacken bzw. toasten. Es passt sehr gut zu allerlei Gegrilltem und zu


Chakalaka - südafrikanischer Gemüsetopf

Zutaten für 1 gr. Topf:

etwas Pflanzenöl
1 große oder 2 mittlere Zwiebeln
1 oder mehr Knoblauchzehen je nach Belieben
nussgroß Ingwer
ca. 150 g Karotten
1 Selleriestange
1 rote oder gelbe Paprikaschote
ca. 2 EL Chakalaka-Gewürzmischung (siehe unten)
1/2 Glas Weißwein

Salz
1/2 TL Zucker
optional etwas Chili

1 große Dose weiße Bohnen, abgespült, abgetropft
1 Handvoll TK Erbsen
2 Dosen stückige Tomaten

Zubereitung:

Die Zwiebeln würfelig, Knofel und Ingwer klein schneiden. Die Karotten je nach Dicke in Würfel oder Halbmonde, Sellerie ringelig und den Paprika in Streifen oder wie jede will schneiden.

Zwiebel in etwas Öl glasig braten, mit Salz und Zucker würzen und ein bisschen karamellisieren lassen. Das restliche Gemüse dazugeben und kurz mitbraten. Die Gewürzmischung einrühren und mit Weißwein ablöschen. Eine Dose Tomaten beifügen und sanft köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist. 

Zum Schluss kommen die Bohnen, die Erbsen und die 2. Tomatendose dazu. Das Gericht noch eine zeitlang ziehen lassen, damit sich die Aromen gut verbinden können. Abschmecken und anrichten. 


Die Kombi uns sehr gut geschmeckt! Chakalaka kann ein Hauptgericht mit Reis und Brot sein oder - genauso wie das Grillbrot - eine gemüsige-saucige Beilage zu Gegrilltem. Das Brot fanden wir ein perfekte Ergänzung zum Chakalaka mit Reis, es mildert die würzige Schärfe gut ab. Empfehlung!


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Bei Sonnentor habe ich diese Gewürzmischung für Chakalaka entdeckt. Sie enthält u.a. Paprika, Kurkuma, Koriander, Kardamom, Zimt, Nelken und schmeckt sehr gut würzig mit ein bisschen einer süßlichen Note. 

Die meisten Rezepte verwenden eine Dose baked beans für Chakalaka - ich hatte noch eine Dose weiße Bohnen im Vorrat und habe zusätzlich mehr stückige Tomaten verwendet. Alles ist gut!

Der Ausdruck Chakalaka kann offenbar auch zweideutig angewendet werden... 😉



Linkliste der kulinarischen Weltreise:

Britta von Brittas Kochbuch mit Chakalaka 2.1
Britta von Brittas Kochbuch mit Inkukhu Nembot Ji -Geschnetzeltes Hähnchen mit grünen Bohnen der Xhosa
Friederike von Fliederbaum mit Roosterkoek und Chakalaka
Susanne von magentratzerl mit Mais-Bohnen-Eintopf für Nelson Mandela
Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Sosaties - südafrikanische Fleischspieße
Cornelia von SilverTravellers mit Babooti - fruchtiges Curry aus Südafrika
Regina von bistroglobal mit Chakalaka- die 3. Version
Wilma von Pane-Bistecca mit Bobotie - Suedafrikanischer Hackbraten
Wilma von Pane-Bistecca mit Bobotie Samosas - Suedafrikanisches Fusion Food
Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Südafrikanisches Maisbrot - Mealie Bread
Simone von zimtkringel mit Cape Malay Chicken Curry
Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Bunny Chow mit Butterbohnen-Curry und Möhrensalat
Cornelia von SilverTravellers mit Hühnerleber Peri Peri
Tina von Küchenmomente mit Hetzoggies
Sus von CorumBlog 2.0 mit Biltong - Südafrikanisches Trockenfleisch
Michael von SalzigSüssLecker mit Potjiekos – Südafrikanischer Schichteintopf mit Rindfleisch






Samstag, 29. Juni 2024

Spuckerl

 


Kirsche: "Ich bin nur ein Spuckerl entfernt"... 
also nicht weit weg, ganz nah!

Denn das derzeitige Kirschenangebot in den Supermärkten kommt aus regionalem Angebot, zumindest suggerieren uns das in Wien die neuesten Werbeplakate. Sehen sie nicht süß aus? Vor einigen Jahren konnte ich euch das Marillenplakat zeigen.
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Foto von 2022, so ein Spuckerl wie hier in Kroatien sieht man bei uns nur mehr selten.

Als Spuckerl wird in Wien scherzhaft und liebevoll abwertend auch ein kleines Auto bezeichnet... 






Mit dem heutigen Kuchenrezept hätte ich gerne einen "Spuckkuchen" gebacken, also mit nicht entkernten Kirschen aus dem Garten. 

Bei meinen Kirschen frisch vom Baum weiß ich, dass sie nicht wurmig und nicht gespritzt sind. Unsere Sorte ist eine helle Sauerkirsche, schmeckt leicht säuerlich und das mögen Würmer offenbar nicht. Ich umso mehr! Nur leider war meine Ausbeute an noch schönen verwertbaren Kirschen... naja überschaubar (siehe Foto oben)... 😠

Zum Glück schmeckte uns der Kuchen mit leicht säuerlichen Marillen noch besser. Beeren würden wahrscheinlich auch passen!






Kirschenkuchen bzw. Marillenkuchen
von Elisabeth aka "Tante Mali"

Zutaten für eine kleine Form (meine ovale ist ca.30 cm lang):

2 Hände voll Kirschen, entkernt oder nicht (Stichwort "Spuckkuchen"), ersatzweise zB. 5 Marillen / Aprikosen
etwas gemahlenen Zimt

Teig:
75 g weiche Butter
75 g Zucker
Vanille
3 Eier (M)
75 g blanchierte Mandeln
100 g altbackenes Schwarzbrot
1/2 P. Backpulver
1 Glas, ca. 1/8 l Rotwein oder Saft bzw. Nektar (ich: Marillennektar)

Zubereitung:
  • Als erstes das Schwarzbrot und die Mandeln mahlen:
    Man nehme ein beliebiges altbackenes, dunkles Misch- oder Roggenbrot, das aber nicht allzu hart und nicht allzu stark gewürzt sein soll.
    Das Brot in Würferl schneiden und gemeinsam mit den Mandeln in einer Pfanne kurz trocken rösten. Nicht zu stark rösten und dann mehr oder weniger fein reiben - es kann noch Biss haben. 

  • Die Eier trennen, Schnee schlagen.

  • Butter, Eidotter, Zucker und Aromen gut schaumig rühren. Die Brotbrösel-Mandelmischung, das Backpulver und so viel Rotwein oder Saft einrühren, dass die Konsistenz passt. Den Eischnee unterheben. 

  • Die Kirschen (nicht entkernt) bzw. Marillen bereit stellen, die Marillen je nach Größe vierteln oder achteln. 

  • Den Teig in eine flache Form streichen, dicht mit den Früchten belegen und sie auch ein bisschen hinein drücken. Alles mit Zimt bestreuen.

  • Den Kuchen bei 175°C etwa 30 - 40 Minuten backen, je nach Ofen und Backform.



Der Kuchen schmeckt richtig köstlich und sogar Herr Fliederbaum, der Marillen sonst nicht so mag, verdrückte ein großes Kuchenstück mit Genuss! 


Den Teig fand ich total interessant, da er nicht direkt Mehl enthält, sondern dieses nur in Form von gemahlenem Schwarzbrot. Es ist kein eleganter Obstkuchen, sondern eine eher rustikale und durch das Brot sehr geschmackvolle Variante! Interessant und bei mir mit Biss!

(Im Original werden übrigens doppelt so viele Kirschen verwendet und diese auch mit Teig bedeckt.)



Empfehlung für den Kuchen und liebe Grüße