Dienstag, 9. Juli 2024

der letzte Kuchen

 

Ein Schokoladekuchen, von mir gebacken, so wie dieser auf dem Bild, war das letzte, was meine Mutter gegessen hat. 


Sie hatte schon einige Wochen vorher körperlich und geistig zunehmend abgebaut. Aber ein kleines Stück Kuchen hat sie mit Genuss verspeist (Süßes ging immer) und einen Kräutertee (für vermehrte Flüssigkeitszufuhr) dazu getrunken. Hat sich dann bekreuzigt und in der Folge Essen und Trinken komplett verweigert. Trotz schwerer Demenz muss sie die Entscheidung in diesem Moment klar getroffen haben. Ich habe das gemeinsam mit vernünftigen Ärzten natürlich akzeptiert.

Nach unglaublichen 13 Tagen Dämmerzustand ohne Flüssigkeit und Nahrung (es war nichts zu machen), liegend in einem gemieteten Krankenbett zu Hause, mehr weggetreten als da, in friedlicher Atmosphäre, konnte meine Mutter endlich loslassen.
Ich war viel bei ihr, fast rund um die Uhr, und mit Pflege-Hilfe der rumänischen 24-Stunden Betreuerin Neli. Bis zum Schluss habe ich ihre Hand gehalten und sie bestärkt loszulassen (obwohl jeder diesen letzten Weg alleine und auf eigene Weise gehen muss). 
Sie ist 89 Jahre alt geworden und wir tragen sie noch diese Woche zu Grabe.

Ich habe die Theorie (die mir eine Hospiz-Krankenschwester bestätigt hat), dass Menschen leichter sterben, wenn sie sich vorher mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Mit meiner Mama haben wir nie über ihr Lebensende, spirituell oder organisatorisch, sprechen können, sie hat leider immer abgeblockt, wollte nichts davon wissen... Ich bin da anders und beschäftige mich schon seit jungen Jahren mit dem Tod, ob danach etwas kommt etc. Könnt ihr das Thema "aushalten" oder schiebt ihr es beiseite?


meine Mama im Jahr 2010

Vor nicht einmal 2 Monaten habe ich euch am Muttertag dieses Bild von ihr gezeigt, das einige sehr positiv gefunden hatten. Danke noch einmal für die lieben Kommentare!


Diesen speziellen schön schokoladigen Schokokuchen bzw. Torte widme ich nun meiner Mama. Bei uns gibt es ihn jetzt öfter und es lohnt sich! 😋 Empfehlung!



saftige Schokolade-Mohn Torte bzw. Kuchen

Zutaten für eine Tortenform von ca. 24 - 26 cm oder 1 mittelgroßes Backblech:

Teig:
150 g Butter
170 g dunkle Schokolade 70%
6 Eier
1 Prise Salz
170 g Zucker
Vanille
40 g Mehl
80 g Mohn, gemahlen bzw. gequetscht
1 Messerspitze Backpulver

Fülle und rundherum:
reichlich fein passierte Marillenmarmelade
optional Inländer-Rum

Guss:
100 g dunkle Schokolade 70%
ca. 100 ml Schlagobers / flüssige Sahne
1 TL Honig

Zubereitung:

  • Butter und Schokolade gemeinsam unter Rühren sanft schmelzen und ein bisschen überkühlen lassen.
  • Die Eier trennen und mit einer Prise Salz einen Eischnee schlagen.
  • Eidotter mit Zucker und Vanille gut schaumig schlagen. Langsam die Butter-Schokomischung einfließen lassen und dann Mehl plus Mohn einrühren. Zum Schluss den Eischnee unterheben. 
  • Die Masse entweder in eine vorbereitete Tortenform füllen oder auf ein Backblech + Papier streichen. 
  • Im Backrohr bei ca. 175-180°C backen, die Torte 45 Minuten bis 1 Stunde, ein Kuchen am Blech sollte in 30 Minuten fertig sein. Unbedingt die Stäbchenprobe machen.

  • Die ausgekühlte Torte waagrecht einmal auseinander schneiden bzw. den Kuchen in zwei Teile schneiden. Großzügig mit Marillenmarmelade bestreichen und zusammensetzen. 
  • Für den Guss die Zutaten gemeinsam langsam schmelzen, auf lauwarm überkühlen lassen und auf die Oberfläche streichen. 



Es handelt sich eigentlich um mein Sachertorten-Rezept und ich habe nur die Semmelbrösel mit Mohn getauscht. Dadurch wird der Kuchen sehr schön saftig, weil Mohn einen hohen Fettgehalt hat.  Zusätzlich enthält er zahlreiche mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Mineralstoffe (Info).
Den Überguss mache ich mittlerweile am liebsten nur mit Schokolade und Obers ohne Butter oder Kokosöl, also eine Ganache. Eine perfekte Kombination! 



Hand halten bis zum Schluss
(hier war sie noch ein bisschen wacher)

Auf ein Wiedersehen, Mama 💗


Ich lege eine kurze Blogpause ein, freue mich aber wie immer über Kommentare! 






9 Kommentare:

  1. Herzliches Beileid, ich kanns gut mitfühlen. Meine Mama ist erst im Jänner verstorben.
    LG ins W4tel aus Wien

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    1. danke dir und ja, du weißt genau, wie sich das jetzt anfühlt...
      So ist der Lauf des Lebens im Idealfall und da müssen wir durch.
      lg

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  2. Liebe Frederike, was für ein bitterer Verlust! Ich wünsche dir viel Kraft.
    Mein aufrichtiges Beilied.

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    1. Es gibt eine Zeit, wo die Mutter lebt und die Zeit ohne, es sind verschiedene Lebensabschnitte, sagte eine Freundin und ich finde, es stimmt. Das Sterben eines Menschen hautnah mitzuerleben und zu verarbeiten, kostet Kraft, danke dir für deine lieben Worte!

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  3. Liebe Friederike, ich umarme dich aus der (relativen) Ferne. Es ist schön, dass deine Mutter den letzten Kuchen offenbar bewusst noch genossen und dann mit dem Thema abgeschlossen hat.
    Sehe ich das richtig, dass niemand mehr versucht hat, deine Mutter "an den Tropf zu hängen"? Das finde ich gut, es verwundert mich nur, da ich vom Heim, in dem meine Mutter starb und auch von dem Hospiz, in dem die Mutter meiner Freundin Maria starb, anderes weiß. Marias Mutter wurde sogar noch an eine Magensonde gehängt und brauchte ewig, um endlich sterben zu können - die (streng katholische) Ärzteschaft meinte, man könne sie doch nicht verhungern lassen, Maria konnte es nicht verhindern. Das hat meine Mutter sich selbst und uns dank ihrer Patientenverfügung erspart. (Ihr Sterben dauerte übrigens auch sehr lange und das, obwohl wir über das Thema schon seit langer Zeit sprechen konnten und es auch getan haben. Maria meinte zu dem Thema, es dauert so lange, wenn sie noch etwas aufzuarbeiten haben... Ich weiß es nicht, aber es kann sein. Men Mann und ich haben jedenfalls auch Patientenverfügungen, um nur ja nichts unnötig verlängern zu lassen.)
    Nach allem, was ich bei alten Leuten so mitbekommen habe, ist Sterben nicht einfach. Wer so lange gelebt hat, hängt irgenwie auch ganz besonders daran. Dann ist es gut, wenn der alte Mensch sagt oder zeigt "Jetzt ist's genug, danke." Und wenn es von der Umwelt so akzeptiert wird, wie es in früheren Zeiten akzeptiert wurde.
    Für mich gehört der Tod zum Leben und ich kann über alles, was damit zu tun hat, sprechen. Auch über das, was ich glaube - oder genauer gesagt eher nicht glaube... Doch da lasse ich jedem Menschen "seins" und möchte auch, dass es mir so gelassen wird.
    Es erschüttert mich, wenn ein junger (oder relativ junger) Mensch stirbt, weil ich denke, da hätte es noch viel zu erleben gegeben, doch wenn ein Mensch sein Leben gehabt hat, darf es irgendwann auch mal damit gut sein. Was nichts daran ändert, dass es traurig ist, Abschied zu nehmen.
    Alles Liebe, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2024/07/weltreise-2024-neuseeland-von-nord-nach.html

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    1. danke dir und stimme dir zu!!
      Sie hat zu Beginn ambulant im Spital Infusionen mit Antibiotikum und Flüssigkeit bekommen (wegen kurzzeitigem Fieber). Sie wollten sie dort behalten, aber ich habe abgelehnt und sämtliche Ärzte, mit denen ich gesprochen habe, haben mir (teils hinter vorgehaltener Hand) zugestimmt, nichts weiter zu unternehmen. Sie konnte ihre letzten 2 Wochen schmerzfrei (mit Pflaster) zu Hause verbringen und das war gut so!!
      lg

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    2. Liebe Friederike, herzliches Beileid.
      Das hast Du gut gemacht, keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr einzufordern oder anzunehmen. Wir hatten das Thema in unserer Familie, und auch uns wurde im Krankenhaus bestätigt, dass man nicht mehr verlängern muss, wenn Menschen gehen wollen.
      Ich hoffe, Du hast jetzt nach dieser anstrengenden Zeit der Begleitung Deiner Mutter Möglichkeiten, Dich zu erholen und mit etwas zeitlichem Abstand noch einmal über diese letzte gemeinsame Phase zu reflektieren.
      Alles Gute

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  4. Liebe Friederike, auch von mir eine virtuelle Umarmung! Alles Gute für dich und deine Familie während der Blogpause.
    Ich finde, dass deine Mutter unter idealen Bedingungen sterben konnte, zu Hause, mit Begleitung von Menschen, die ihre Wünsche respektieren. und dass dieser Schokokuchen der letzte war, den sie gegessen hatte, finde ich umso schöner, was für ein wunderbares Andenken, wenn du ihn zukünftig backst, wirst du es immer mit deiner Mutter verbinden.
    Ich selbst beschäftige mich ähnlich wie du schon lange mit dem Tod, muss aber sagen, dass ich Phasen regelrechter Angstzustände hatte. Dieses große "Nichts" bzw. Nichtwissen kann einen auch ganz schön verunsichern. Aber ich glaube, die Furcht wird immer weniger, je älter ich werde - und je näher ich logischerweise dem Tod bin.
    Meine Mutter starb im Krankenhaus, als sie 49 und ich 28 Jahre alt war, und ich war die letzte, die sie gesehen hat (da lag sie schon im Koma).
    Mein Vater und meine Stiefmutter haben den Tod immer verdrängt und natürlich auch nie über Krankheit/Alter/Demenz o.ä. gesprochen. Auch nicht über Pflegemöglichkeiten, Geld, etc. Totale Ablehnung. Jetzt ist meine Stiefmutter im Krankenhaus, es geht vermutlich dem Ende zu, und mein Vater ist dement. Du kannst dir vorstellen, was das bedeutet. Einfacher macht's das wirklich nicht.
    Man sollte sich wirklich nicht nur mit dem Tod - sondern auch mit Pflegegraden, Möglichkeiten, Versicherungen etc. beschäftigen und seine Angehörigen (falls vorhanden) einweihen, so lange man noch klar denken kann.
    Alles Liebe und herzliche Grüße, Maren

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  5. Viele liebe Gedanken zu Dir!

    herzlich
    Elena

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