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Freitag, 1. August 2025

Kolumbien, Bohnen und Reis

 


Volker schickt uns im August mit seinem Dauerblogevent #diekulinarischeweltreise über den Atlantik nach Kolumbien. Das bedeutet wie immer, sich dem Land vor allem (aber nicht nur) kulinarisch anzunähern.


Kolumbien also...

In Südamerika war ich nie, aber mein 1. Gedanke beim Thema Kolumbien ist immer "100 Jahre Einsamkeit".

Es ist erst ein paar Jahre her, dass ich dieses skurrile Monumentalwerk von Gabriel Garcia Marquez mit wachsendem Vergnügen verschlungen habe.
Habt ihr das Buch je gelesen oder zumindest versucht zu lesen? Es geht grundsätzlich um Aufstieg und Fall der Familie Buendia im fiktiven tropischen Dorf Macondo über 100 Jahre. Realität und Fiktion vermischen sich und die Bezeichnung "magischer Realismus" trifft es gut. Kein Mensch kann sich die handelnden Personen merken, finde ich, aber das hat keine Bedeutung. Denn je verwirrender und absurder sich die Erzählung entwickelte, desto mehr kann man sich bzw. konnte ich mich in diese irrwitzige Stimmung, die sie erzeugt, hinein fallen lassen... Ein großer Lesegenuss!


Küche Kolumbiens

Die Küche in Kolumbien ist so vielfältig wie seine verschiedenen Regionen - karibisches Küstenland, Amazonas, Bergwelt der Anden, große Städte etc. Typische Gerichte beinhalten meist Reis, rote Bohnen, Kochbananen, Kartoffeln und Mais, oft mit Fleisch, Fisch oder Ei. Das gefällt mir und ich habe mir in den Weiten des www so einiges zusammengesucht.

Bandeja Paisa ist so ein Essen mit den erwähnten Zutaten und gilt als eines der Nationalgerichte des Landes. Bei mir gibt es das Gericht heute in der vegetarischen Variante ohne Fleisch oder Chorizo, die meist auch dazu gehören. Es hat viele Komponenten, die aber unkompliziert zuzubereiten sind und teilweise gut vorbereitet werden können. Trotzdem sollte man zum Schluss nichts vergessen anzurichten... 😕



veggie Bandeja Paisa

Zutaten für ca. 2 Personen:

  • Basmati Reis

  • Plantains Kochbananen wie hier (unten):
    1 reife, gelb-schwarze Kochbanane, geschält und in dünne Scheiben geschnitten
    Salz
    Öl zum Frittieren

  • 1 Avocado

  • 2 Eier für Spiegeleier

  • gefüllte Arepas Maismehlfladen (4 - 6 Stk. nach Evchen kocht):
    130 g vorgekochtes Maismehl, zB. P.A.N. weißes oder gelbes Maismehl
    1/2 TL Salz (nicht zu wenig)
    15 g weiche Butter
    ca. 165 g kaltes Wasser, nach und nach
    Ancho-Chiliflocken
    1 EL frischer Koriander, fein gehackt 
    --------
    4 - 6 EL Mozzarella, gerieben für Fülle
    Butter oder Öl zum Braten

  • Frijoles Bohnentopf:
    150 g getrocknete rote Bohnen (pinto beans)
    optional 1 grüne Kochbanane, geschält und in kleine Würfel geschnitten
    optional einige Korianderwurzeln, klein geschnitten
    1 kleine Karotte im Ganzen
    reichlich milde Ancho-Chiliflocken
    Salz zum Schluss
    1 EL frischer Koriander, gehackt
    (vom Bohnentopf bleiben Reste)

  • Hogao Tomaten-Zwiebelsauce:
    3 EL Olivenöl
    4 große reife Tomaten, sehr klein geschnitten, oder 300 g stückige Tomaten aus der Packung/Dose
    2 Frühlingszwiebeln inkl. ein wenig Grün, ebenso
    1 Knoblauchzehe, zerdrückt
    1/2 TL Kreuzkümmel im Ganzen
    Salz, Pfeffer


Zubereitung:

Hagao Sauce:
Öl erhitzen, Zwiebel und Knoblauch andünsten, ohne Farbe nehmen zu lassen. Kreuzkümmel zugeben und mitbraten, bis er duftet. Die restlichen Zutaten beifügen und etwa 15 Minuten zugedeckt sanft köcheln lassen, dabei die Flüssigkeit kontrollieren.

Frijoles Bohnentopf:
Am Vortag die getrockneten Bohnen in reichlich Wasser über Nacht einweichen.
Die Bohnen abspülen und mit gleich viel frischem Wasser zum Kochen bringen. Die grünen Kochbananenwürfeln, die Karotte und die Korianderwurzeln beifügen und mitkochen, bis die Bohnen weich sind. Die stark stärkehältige Kochbanane soll den Bohnen Bindung geben.

Einen kleinen Teil der Bohnen und die Karotte pürieren und wieder in den Topf geben, würzen und weitere 15 Minuten auf kleiner Flamme ziehen lassen. Ungefähr die Hälfte bis 2/3 der Hagao Sauce mit den Bohnen vermischen (den Rest der Sauce in kleinen Schüsseln zum Servieren bereit stellen).
Die Konsistenz des Bohneneintopfes soll cremig sein. Den Eintopf dann salzen, den Koriander beifügen und beiseite stellen.

Arepas Maismehlfladen:
Für die Arepas alle Zutaten bis ----- gut vermengen, dabei das Wasser nur nach Bedarf zugeben! Nicht mit dem Salz sparen, sonst schmeckt es langweilig. Es soll ein homogener Teig, nicht zu trocken, nicht zu klebrig, entstehen. Den Teig einige Minuten (oder länger) quellen lassen. 
Den Teig dann vierteln (oder sechsteln) und jedes Teil flach drücken. Mit jeweils einem Esslöffel Käse füllen und zu runden, flachen Fladen formen. In einer Pfanne Butter erhitzen und die Fladen goldgelb braten, dann auf Küchenpapier entfetten und warmhalten.

Die Spiegeleier braten und die dünnen Kochbananenscheiben frittieren. Parallel den Reis kochen. Zum Schluss, wenn alle Komponenten bereit stehen bzw. tw. (wieder) warm sind, wird die Avocado aufgeschnitten.


Anrichten:
Es kommen hauptsächlich Reis und Bohnen auf den Teller, daneben Kochbananen, Avocado und ein Spiegelei, in einem Schüsselchen die Hagao Sauce und extra die Arepas. Wer will streut noch Koriander und Meersalzflocken über alles.



Bohnen mit Reis sind eine perfekte Kombi, nicht umsonst sind beide (auch kostengünstige) Grundnahrungsmittel in ganz Südamerika. Die zusätzlichen Geschmäcker von der roten Sauce und den Kochbananen passen gut dazu, Ei und Avocado gehen sowieso immer... Das ist ein Essen, das es bei uns jederzeit wieder geben kann und ohne Ei (bzw. Arepas) wäre es sogar vegan! 



Aber die Arepas würde ich nächstes Mal sowieso weglassen, sie schmeckten uns frisch gebraten und knusprig ganz gut, sind aber doch relativ fettig. Ich glaube, ich hätte sie vielleicht auch kleiner formen sollen (also eher 6 als nur 4 Stücke aus dem Teig machen). Insgesamt für mich persönlich zu viel Aufwand für doch zu wenig Genuss. Oder sollte ich Ihnen eine 2. Chance geben...?




Was werden die anderen TeilnehmerInnen zubereiten?

Linkliste:


Jenny von Jenny is baking mit Pasteles gloria - süße Blätterteig-Teilchen aus Kolumbien 
Friederike von Fliederbaum mit veggie Bandeja Paisa 
Britta von Brittas Kochbuch mit Almojábanas - Käsebrötchen aus Maismehl 
Britta von Brittas Kochbuch mit Cazuela de mariscos - Meeresfrüchteeintopf 
Susanne von magentratzerl mit Ajiaco de Bogotá 
Simone von zimtkringel mit Limonada de Coco 
Jenny von Jenny is baking mit Arroz paisa - kolumbianische Reispfanne 
Regina von Bistroglobal mit Albondigón Colombian




Mittwoch, 10. April 2024

Wareniki

 


Die Karte der Ukraine kennen wir wohl alle mittlerweile zur Genüge. Wir bekommen sie ja oft genug in den Medien gezeigt, wenn es um Kriegsgreuel, Waffenlieferungen und den Frontverlauf geht. 

Die virtuelle kulinarische Weltreise von Volker macht im April in der umkämpften Ukraine Halt. Das "Reiseziel" ist nicht unumstritten, aber ich sehe es auch so, dass wir dadurch den Menschen im Land sozusagen gute Energie schicken können. Wir haben euch auch nach zwei Kriegsjahren nicht vergessen!

Dabei wäre die Ukraine zu "normalen" Zeiten sicher eine Reise wert (gewesen)! Unten habe ich Buchtipps zusammengefasst, die mich informiert und berührt haben.   


Zwei Blogbeiträge über die Ukraine gibt es bei mir bereits:

Zu Beginn dieses unseligen Krieges habe ich Lemberger Rindsrouladen zubereitet. Sie sind jedoch ein altösterreichisches Gericht, das heißt aus der Zeit der k.u.k. Monarchie, als die heutige Westukraine mit Lwiw zu Österreich gehörte. 


Diese ukrainischen Apfelschnecken stammen aus dem Ukraine-Kochbuch vom Kiewer Starkoch Ievgen Klopotenko, das es mittlerweile in der 2. Auflage gibt. Der Gewinn kommt der Ukraine zugute. 

Aus dem selben Kochbuch kommt nun ein weiteres süßes Rezept für die kulinarische Weltreise:



Wareniki - Teigtaschen mit Weichseln / Sauerkirschen 

nach Ievgen Klopotenko
Zutaten für die halbe Menge vom Original für ca. 20 - 24 kleine Teigtaschen bzw. für 4 Personen als Dessert:

Teig:
225 g Weizenmehl (ich: Dinkelmehl)
1 Eidotter
250 ml Kefir
1/4 TL Salz
1/2 TL Zucker
1 Messerspitze Backpulver

Fülle:
ca. 150 - 200 g Weichseln / Sauerkirschen oder Kirschen (im Original frische oder tiefgekühlte Sauerkirschen; ich: aus dem Glas)
1 EL Grieß
1 - 2 EL Zucker je nach Süße der Kirschen

zum Anrichten:
geschmolzene Butter
Sauerrahm oder Naturjoghurt

Zubereitung:

  • Aus allen Teigzutaten einen elastischen, nicht klebrigen Teig kneten. Den Teig in einer eingeölten Schüssel zugedeckt mindestens eine halbe Stunde rasten lassen.
  • Die Kirschen aus dem Glas sehr gut abtropfen lassen, den Saft anderweitig verwenden. Alternativ frische Kirschen entkernen bzw. tiefgekühlte Kirschen auftauen lassen. 
  • Die Kirschen mit Grieß und Zucker vermischen. Ich würde sie nächstes Mal klein schneiden.
  • Den Teig portionsweise nicht allzu dünn ausrollen und Kreise ausstechen. Ich habe ein Glas mit 6 cm Durchmesser verwendet. Jeweils einen Löffel Fülle bzw. 1 Kirsche (ich) drauf geben, die Ränder mit ein wenig Wasser betupfen und halbmondförmig zusammenklappen. Die Ränder andrücken und mit einer Gabel verzieren. 
  • Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Teigtaschen wenige Minuten mehr ziehen als kochen lassen, bis sie an die Oberfläche steigen. 
  • Die Wareniki herausnehmen und sofort mit geschmolzener Butter servieren. Dazu passt ein Klecks Sauerrahm oder Joghurt, restliche Kirschen etc. 


Die Wareniki schmeckten uns wirklich sehr gut, obwohl eingelegte Kirschen aus dem Glas wahrscheinlich nur das halbe Vergnügen sind...
Meine Teigtaschen sind durch das Dinkelmehl ein wenig dunkler. Sie haben eine leichte säuerliche Note durch den Kefir im Teig, die Weichseln bzw. Sauerkirschen und den dazu servierten Sauerrahm. Empfehlung! Ich werde die Wareniki sicher wieder machen, wenn die Kirschen im Garten reif sind! 




Lesetipps:
(unbezahlte Werbung)

Victoria Belim: Rote Sirenen - Geschichte meiner ukrainischen Familie. 
Ein autobiographischer Roman von einer ukrainisch-stämmigen Autorin, die in Belgien lebt. Victoria reist ab 2014, als Russland die Krim annektiert hatte, oftmals in die Ukraine und rollt die Geschichte ihrer Familie der letzten 100 Jahren auf. Sie fährt durch das Land, hauptsächlich im Ostteil, und kehrt immer wieder ins Haus ihrer Großmutter mit dem Kirschgarten zurück. 
Durch die Ereignisse der Vergangenheit lernt Victoria sich selbst und wir als Leser*innen die Ukraine kennen und besser zu verstehen. Wer sich dafür interessiert, wie es zum jetzigen Krieg kommen konnte, kann hier Antworten finden. 

Irina Klimnik: Sommer in Odessa.
Wie die Studentin Olga und ihre quirlige Großfamilie das Leben in Odessa kurz vor der Annektierung der Krim durch Russland erlebt hat. Der Roman ist eine Liebeserklärung an die Hafenstadt am Schwarzen Meer und das Leben, das es dort so nicht mehr gibt. 



Linkliste:

Britta von Brittas Kochbuch mit Mamusia - Familienrezepte aus der Ukraine von Olia Hercules Britta von Brittas Kochbuch mit Weißes Knoblauchkaninchen Regina von bistroglobal mit Fleischpflanzerl mit Meerrettichpaste Britta von Brittas Kochbuch mit Pampuschky - Ukrainische Weizenbrötchen Britta von Brittas Kochbuch mit Borschtsch - Ukrainischer Rote-Bete-Eintopf Barbara von Barbaras Spielwiese mit Ukrainischer Karottensalat koreanische Art Friederike von Fliederbaum mit Wareniki - Teigtaschen mit Sauerkirschen Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Halushky mit Sauerkirsch-Hackfleischsauce und Sauerrahm Jenny von Jenny is baking mit Wareniki - Teigtaschen mit körnigem Frischkäse Britta von Brittas Kochbuch mit Gurkensalat mit Tomaten und Radieschen Susanne von magentratzerl mit Ein kulinarischer Ausflug in die Ukraine - Rezepte und Kochbücher Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Ukrainische Mohnrolle mit Äpfeln und Nüssen – Makivnyk Simone von zimtkringel mit Stampfkartoffeln mit grünen Bohnen und Salo Michael von SalzigSüssLecker mit Lemberger Käsekuchen aka Lvivsky Syrnyk




Freitag, 1. Dezember 2023

indigene Kekse und Lesetipps

 


Dieses Kochbuch musste ich einfach haben! 
(unbezahlte Werbung, ich habe es selbst gekauft)


Es handelt davon, wie sich indigene Völker in Amerika vor der "Entdeckung" durch den weißen Mann ernährt haben. Welche Lebensmittel haben sie gegessen und haltbar gemacht, welche Tiere gejagt, wie gelebt? Welche Speisen können mit heutigen Zutaten, nicht nur in den USA, sondern auch bei uns nachgekocht werden? 

Die einzelnen Kapitel behandeln die indigene Vorratskammer, Feld und Garten, Prärien und Seen, Süßes aus der Natur und zum Schluss gibt es Rezepte von indigenen Partner*innen und für Mondfeiern (Menüs für Festessen). 

Der Autor Sean Sherman ist ein erfolgreicher Koch und Küchenchef in Minneapolis, USA, und hat nach einer persönlichen Krise begonnen, sich mit seinen indigenen kulinarischen Wurzeln zu beschäftigen. Er stammt vom Volk der Lakota ab und wuchs im Pine Ridge Reservat im Norden der USA auf (die Lakota gehören zur Sioux Sprachfamilie). Siehe auch den Lesetipp ganz unten. 

Der, wie ich finde, geniale Buchtitel "Sioux Chef" bezeichnet sowohl die indigenen Sioux, als auch den Sous-Chef in der Restaurantküche. 

Vorwort vom Autor

Die Rezepte in dem Kochbuch enthalten keine Milchprodukte, Weizen, Rind- und Schweinefleisch, weißer Zucker etc., da diese erst von europäischen Siedlern nach Nordamerika gebracht bzw. verwendet wurden. Anders als bei Paläo-Rezepten sind alle Lebensmittel "erlaubt", die die Menschen eben damals in Amerika verzehrt haben, auch Hülsenfrüchte und Getreide. 

Es gibt Rezepte für Büffelfleisch, Geflügel, Kaninchen und Fische. Sehr viel Pflanzliches, wie Wildreis, Mais, Bohnen, Kürbisse (die "drei Schwestern"), Süßkartoffeln, Beeren, Pilze, Nüsse, Wildkräuter etc. An Gewürzen kommt Räuchersalz, Wacholder und Sumach häufig vor. Besonders interessant finde ich die verschiedenen Mehlsorten, neben Maismehl für Küchlein auch gemahlene Kastanien, Eicheln, Wildreis oder Gemüse, das zuvor gedörrt wurde. Kürbis zu dörren und zu Mehl zu mahlen, davon habe ich hier zum ersten Mal gelesen, das muss ich ausprobieren. 

Das Buch bietet oft Alternativen für spezielle Zutaten an und für mich ist auch interessant zu überlegen, was durch regionale Lebensmittel aus Feld und Wald ersetzt werden kann.
Zum Beispiel könnte man statt dem importierten Ahornsirup heimischen Honig verwenden - warum nicht auch Fichtenhonig ("Wipferlhonig"), auch wenn er mit weißem Zucker gemacht ist. Statt Bohnen mit einem Zedernzweig zu kochen, nimmt man Fichte und Tanne. Statt Bisonfleisch ist Weiderind die beste Alternative, und mittlerweile gibt es auch bei uns Bisonzüchter. Dinkelreis statt importiertem Wildreis, heimische Beeren, Nüsse, Kerne usw...
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Ich bin so begeistert von den kreativen Möglichkeiten, die sich auftun, und werde dranbleiben. 

Auf meiner to cook-Liste steht zum Beispiel:
in Apfelsaft geschmorter Truthahn, Maiskuchen mit div. Toppings, Wojape Beeren-Minzsauce, mit Nadelbaumzweig geschmorte Bohnen, weitere "drei Schwestern" Gerichte und auch einmal geschmortes Bisonfleisch. 


Als erstes habe ich Kekse mit interessanten Zutaten gebacken, bevor das Weihnachtskeks-Backen losgeht, aber sie eignen sich auch dafür...





dunkle Herbstkeks mit Sonnenblumenbutter

nach Sean Sherman
Zutaten für ca. 20 Kekse bzw. 1 Blech: 

Sonnenblumenbutter - Sunny Butter:
135 g Sonnenblumenkerne, ungesalzen und trocken geröstet
1/2 TL Räuchersalz
170 g Honig (ich) oder 160 g Ahornsirup

Keks:
65 g Sonnenblumenbutter von oben, bei Bedarf ein bisschen mehr
50 g Mehl *)
75 g feiner Maisgrieß
1 Prise Salz
2 - 3 EL Honig
3 EL Sonnenblumenöl
einen Schluck Wasser nach Bedarf
---- 
insgesamt 40 g getrocknete Cranberries, gehackte Nüsse und Sonnenblumenkerne

*) Mögliche Mehlsorten laut Originalrezept sind Kastanienmehl oder Mehl aus fein gemahlenem Wildreis, Eichelschrot, gedörrtem Kürbis, Nüssen. Ich habe Kastanien- plus Einkornmehl gemischt. 


Zubereitung:


Für die Sonnenblumenbutter (Foto) werden alle Zutaten zu einer möglichst cremigen Masse gemixt. 

Achtung, die Herstellung ist eine sehr klebrige Angelegenheit und könnte schwache Küchengeräte an ihre Grenzen bringen... Ich habe die Kerne vorher in der Kaffeemühle gemahlen und dann erst die rel. große Menge Honig und das Salz eingearbeitet. Trotzdem ist mir keine butterähnliche Masse gelungen, aber das macht auch nichts. 

Für die Kekse wird ein eher fester Teig aus allen Zutaten (bis ----) geknetet, am besten mit der Hand, denn er ist ziemlich bröselig. Den Teig rasten lassen, damit der Grieß quellen kann. Jeweils die Hälfte der gehackten Cranberries, Nüsse und Kerne einarbeiten, ich habe aber gleich alles in den Teig gemischt. 

Nun formt man mit nassen Händen kleine Kugeln mit ungefähr 2 cm Durchmesser und drückt sie ein bisschen platt. Die Kekse auf ein Backblech + Papier setzen und je nach Belieben mit (weiteren) Cranberries, Nüssen, Kernen belegen oder nicht (ich).
Im Backrohr bei 180°C rund 10 - 12 Minuten backen. Die Keks nicht zu lange backen, nur bis die Ränder beginnen braun zu werden. 

Auf dem Backblech auskühlen und damit fest werden lassen! Sie können noch lauwarm oder abgekühlt genossen werden, zum Beispiel auch mit einem Beerensorbet wie im kreativen Buch. 


oben vor dem Backen, 
unten nachher



sehr geschmackvoll!!

Unsere 20 Kekse waren im Nu verputzt, sie sind definitiv den klebrigen Aufwand mit der Sonnenblumenbutter wert! Die (ungesalzenen) Kerne hätte ich vor dem Mixen anrösten sollen, darauf habe ich zwar vergessen, aber der Geschmack und Duft beim Keksbacken waren trotzdem köstlich!

Auch das Kastanienmehl trägt das ihre zum besonderen Geschmack der Kekse bei. 

Tipp: gleich portionsweise die doppelte Menge "Butter" bzw. Kerne-Mus hergestellen, denn im Kühlschrank hält es sich in einem Glas rund einen Monat. Das Räuchersalz gibt dem Ganzen einen geschmacklichen Kick. 

~ ~ ~


Im Pine Ridge Reservat der Lakota in South Dakota in den USA, wo der Kochbuchautor aufgewachsen ist, spielt auch der folgende...

Roman - Lesetipp
(unbezahlte Werbung, ich habe es selbst gekauft):

Katja Etzkorn: Pine Ridge statt Pina Colada, TraumFaenger Verlag.

Der Inhalt kurz gesagt: Die deutsche (fiktive) Ärztin Sannah aus Hamburg reist im Auftrag einer Spendenorganisation ins Pine Ridge Reservat und lernt den Pferdezüchter Josh White Cloud kennen. 

Der unglücklich gewählte, triviale Titel des Romans verschleiert, dass er neben Herz-Schmerz auch ernste Themen, wie die heutigen schlechten Lebensumstände und Probleme in einem Reservat behandelt. Man erfährt einiges über die Geschichte und Kultur der Lakota, über die unendliche Graslandschaft der Prairie, über Büffel, Pferde, Westernreiten. Dargestellt wird auch das "Horsemanship" Projekt der Gesellschaft für bedrohte Völker, das vor allem Kindern eine Perspektive bieten soll.
(Vielleicht wäre das eine Idee für eine weihnachtliche Spende? Ich habe es bereits getan als Weihnachtsgeschenk-Ersatz.)


Dass in einem der reichsten Länder der westlichen Welt die ursprüngliche indigene Bevölkerung heute noch unter teils prekären Bedingungen und Diskriminierungen leben muss, finde ich so unbegreiflich wie erschütternd. Es bestehen in den USA rund 300 Reservate, in die die Indigenen im 19. Jahrhundert gezwungen und ihrer Kultur, Sprache und auch Kinder (die in Internate geschickt wurden) etc. beraubt wurden.

Die Sommer in Pine Ridge sind heiß, die Winter lang und bitterkalt, nicht alle können sich adäquate Unterkünfte, Heizung und Strom leisten. Denn die Arbeitslosenquote liegt im Reservat bei rund 80 %, die Lebenserwartung ist unter der der meisten afrikanischen Länder. Alkoholismus und Gewalt sind ein Problem und die Selbstmordrate bei der jungen Bevölkerung ist 4x höher als in der restlichen USA (weitere Infos). Sie haben wenig Perspektiven, nur wenige schaffen es "heraus". Im Krankheitsfall werden sie zum Beispiel nicht in öffentlichen Krankenhäusern behandelt, sondern in eigenen (finanziell schlechter gestellten) Einrichtungen des Indian Health Service. Die Liste der Diskriminierungen ließe sich fortsetzen.
Ich finde es wichtig zu wissen, dass es auch diese andere Seite der USA gibt. 

Trotzdem ist der Roman mit den lebendigen und teils witzigen Dialogen flüssig und schön zu lesen. Er ist Belletristik und vorhersehbar, eignet sich aber perfekt zur abendlichen Lese-Entspannung nach einem anstrengenden Tag. Ich habe das Buch sehr gern und mehrfach gelesen, bin auch Infos im Netz nachgegangen, weil mich die ernste Thematik sehr beschäftigt hat und ich noch "dort bleiben" wollte...
Geht euch das beim Lesen auch oft so?


Das 2. Buch der deutschen Autorin handelt übrigens vom indigenen Volk der Tlingit in Alaska (die für die beeindruckenden hölzernen Totempfähle berühmt sind). Beide Romane entführen in eine (mir) unbekannte Welt, sind lesenswert und auch gut recherchiert, finde ich. Empfehlung, auch vielleicht für ein Weihnachtsgeschenk...

Empfehlung genauso für das wunderschöne und kreative Kochbuch von Sean Sherman, es liegt mir bereits sehr am Herzen. Kennt ihr die Bücher? 





Donnerstag, 26. Oktober 2023

die "drei Schwestern" und ein Herbstsalat

 

Bild gesehen bei etsy

Mit den "drei Schwestern" meine ich heute jedoch Mais, Bohne und Kürbis. Die drei werden von vielen indigenen Völkern in Nordamerika seit jeher gemeinsam angepflanzt. Man liest oft von Maya oder Azteken Anbaumethode, aber diese ist von Mexiko bis hinauf zur kanadischen Grenze bekannt, sagt mein interessantes und wunderschönes Buch, das ich letztlich verschlungen habe (Lesetipp, siehe ganz unten). 

Mich fasziniert diese Pflanzmethode der drei Gemüsesorten sehr, bei der im Frühling Samen von Mais, Bohnen und Kürbis in ein einziges Pflanzloch oder zumindest nah beieinander in den Boden gelegt werden. Als erstes keimt der Mais und wächst dem Licht entgegen. Dann kommt die Bohnenpflanze aus der Erde und rankt sich um die Mais-Stütze hinauf. Der letzte ist der Kürbis, der am Boden rundherum wächst und die Erde im Sommer auch feucht und unkrautfrei hält als sozusagen lebender Mulch. 

Alle drei profitieren von den jeweils anderen beiden und ergänzen einander, auch was die Pflanzennährstoffe (Stickstoff, Phosphor etc.) und den Wurzelraum (flach, tief) in der Wachstumsphase angeht. Sie reifen ungefähr zur gleichen Zeit bzw. können nach und nach geerntet werden. Und sie passen auch in der Küche perfekt zueinander als ausgewogene Lieferanten von Proteinen, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen. 


Ist das nicht eine geniale Symbiose? Habt ihr eine solche Mischkultur-Pflanzmethode schon ausprobiert, wer kennt sie? Wie sind eure Erfahrungen? Ich freue mich über eure Kommentare!


Ich bleibe dran und möchte das unbedingt nächstes Jahr im Garten testen, das Internet ist voll von Infos und Tipps. Bis dahin sammle ich "drei Schwestern" Rezepte, das erste ist der heutige herbstliche Salat, der gleich alle drei vereint. 



"drei Schwestern" Salat vegan

(für ca. 4 Pers. als Hauptspeise)

2 frische Maiskolben
150 g, 1 kl. Dose Cannellini-Bohnen
200 g Fisolen / grüne Bohnen
200 g Kürbis, zB. Butternuss, entkernt gewogen
etwas Pflanzenöl zum Braten
Salz, Pfeffer
1 gute Prise Kurkuma
1 kleine rote, milde Zwiebel
beliebiger grüner Salat
1-2 Tomaten
1 Hand voll Kürbiskerne zum Bestreuen
optional ein wenig Kürbiskernöl
Petersilie

Dressing:
2 TL milder Senf
1 Knoblauchzehe, gerieben
2 EL Balsamico
reichlich gutes Pflanzenöl
Salz
schwarzer Pfeffer und Cayennepfeffer

Zubereitung:

  • Die Maiskolben im Ganzen in reichlich Salzwasser weich kochen und ein bisschen auskühlen lassen. Die Kolben dann aufrecht halten und die Maiskörner mit einem scharfen Messer herunter schneiden. 
  • Die gegarten Bohnen abspülen und abtropfen lassen.
  • Die Fisolen bzw. grünen Bohnen putzen, d.h. die Enden abschneiden und je nach Größe halbieren oder dritteln. In Salzwasser bissfest kochen, dann abschrecken und abtropfen lassen. 
  • Den Kürbis mit Schale in kleine Würfel schneiden und in einer Pfanne in etwas Öl weich braten. Mit Salz und Kurkuma würzen und mitsamt dem Bratöl für den Salat verwenden. 
  • Zwiebel und Tomaten schneiden.
  • Die Zutaten für das Dressing vermixen und mit den Salatzutaten vermischen, ein wenig durchziehen lassen. 
  • Den Salat mit Kürbiskernen und Petersil bestreuen. Wer will kann ihn auch mit dem dunklen Kürbiskernöl beträufeln, was aber optisch nicht mehr so gut aussieht... 


Herrlich!
Gutes Brot dazu und vielleicht auch ein wachsweiches Ei, was dann aber nicht mehr vegan ist. Je nach Belieben und Saison nimmt man mehr grünen Salat oder Rohkost für mehr Frische... 



wildes Gras, aber kein Süßgras

Lesetipp (unbezahlte Werbung): 

Robin Wall Kimmerer: Geflochtenes Süßgras, die Weisheit der Pflanzen. Aufbau-Verlag.

Das namensgebende Süßgras oder duftende Mariengras (Hierochloe odorata) ist wie Waldmeister cumarinhaltig. Es wird getrocknet, geflochten und spielt bei Ritualen von Indigenen oft eine wichtige Rolle. 

Die Autorin ist Biologin und Professorin an der Uni von Syracuse im Bundesstaat New York im Norden der USA und Indigene vom Stamm der Potawatomi. Für manche indigenen Völker war der nahe Onondaga Lake ein besonderer und heiliger Ort. Doch durch die Industrialisierung und Einleitung von sämtlichen ungeklärten und auch giftigen Abwässern gilt er heute als der am stärksten verschmutzte See der USA - nicht nur die Quecksilber-Gehalte sind "beeindruckend". Dieser tote See ist nur ein Beispiel im Buch für die Zerstörung der Natur, auch wenn hier offenbar ein Umdenken eingesetzt hat. 

Das Buch ist eine Essaysammlung, die das Leben der Autorin und die Geschichte ihres Volkes mit viel wissenschaftlichem und indigenem Pflanzenwissen verbindet. Es ist sehr schön und berührend zu lesen und ihre Liebe zu Pflanzen und zur Erde (Mutter Erde) spürt man in jeder Zeile. 

Wie die indigenem Völker ursprünglich im Einklang mit der Natur gelebt haben, beeindruckt mich sehr und ich habe in den letzten Jahren viel darüber gelesen. Sie sahen die Natur als belebt an und drückten das auch mit ihrer lebensbetonenden Sprache aus. Tiere und Pflanzen (auch Steine) galten bei ihnen nicht als Objekte oder Sache, sondern als nichtmenschliche Verwandte. Der Mensch steht nicht wie bei uns an der Spitze der Schöpfung und macht sie sich auch nicht "untertan". Mit einer solchen indigenen Philosophie muss doch der Umgang mit der Natur ein anderer sein, oder?

Bei den so genannten "Entdeckungen" und Annektionen der neuen Welt durch den weißen Mann sind tragischerweise nicht nur Menschen bzw. Völker, sondern auch total entgegengesetzte Weltanschauungen wortwörtlich aufeinander geprallt. 


auch das ist kein Süßgras... nur schöne Gräser in den Bergen in Oberösterreich


"Nimm nie mehr als die Hälfte von dem, was dir die Natur bereit hält".
"Ernte so, dass du möglichst wenig Schaden anrichtest."
"Danke für das, was dir geschenkt wurde."

Das sind einzelne Sätze aus dem Buch über die indigene "ehrenhafte Ernte". Sie klingen heutzutage angesichts der industriellen profitorientierten Landwirtschaft ja eher weltfremd, oder? Aber was wäre, wenn wir uns diese Prinzipien aneignen und erst einmal im Kleinen damit beginnen würden? Wenn wir alle eine Kultur der Dankbarkeit gegenüber der Natur leben würden... ich habe es mir mittlerweile angewöhnt, mich zu bedanken. Ihr auch?

Wäre es dann noch möglich, dass, wie zum Beispiel bei uns im kleinen Österreich, täglich eine Fläche von 10 Hektar Natur bzw. Ackerland vernichtet und verbaut wird? Damit sind wir traurigerweise Europameister und es ist keine politische Änderung in Sicht. 

Weltweiter Treibhausgas-Anstieg, Artensterben, Abholzung von Urwäldern, Bodenvergiftung und Versiegelung, industrieller Bergbau und radioaktiver Abfall, totes Wasser und vieles mehr, mensch könnte verzweifeln. Ein besonderer und gewaltsamer Irrsinn für Mensch und Natur in unserer Nähe ist in der Ukraine im Gange und hat im Nahen Osten begonnen. Ist die Menschheit ver-rückt geworden, wer oder was rückt sie / uns wieder gerade (soferne wir es überleben)? 

Die Autorin erklärt aber auch und gibt uns Mut, wie es weitergehen könnte...
Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, ich habe es bereits mehrfach verschenkt und kann es wirklich empfehlen. Auch den Herbstsalat der "drei Schwestern". 

Kennt ihr das Buch?




Donnerstag, 12. Januar 2023

12 von 12 im Jänner aus Wien




Morgen ist Freitag der 13., ein sympathisches Datum für mich und so etwas wie ein "ewiger" Glückstag, aber das Blogevent 12 von 12 bei Caro (Draußen nur Kännchen) bezieht sich natürlich immer auf den 12. eines Monats. 


1

1     Also Donnerstag, der 12. Jänner, und der Tag beginnt mit Morgenmondschein über den Dächern vor unserem Fenster, was meine fast immer gute Grundstimmung gleich noch mehr hebt. 


2

2     Blumen gießen.
Die Amaryllis war ein Weihnachtsgeschenk und verausgabt sich gerade mit dem dritten prächtigen Blütenstamm. Dagegen ist mir der Weihnachtsstern eingegangen, die sind meist so hochgezüchtet und halten gerade über die Feiertage. 


3

3     Mein Frühstückstisch mit dem grünen Tee und heute Haferflocken-Porridge mit einer Birne. Die Tulpen lassen ein bisschen die Köpfe hängen, aber sie dürfen noch bleiben. 



4

4     Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami hat heute Geburtstag, er wurde am 12. Jänner 1949 geboren. Daher suche ich gleich seinen Roman Kafka am Strand in den Tiefen meiner e-book-Bibliothek und möchte am liebsten gleich damit beginnen. Ich habe ihn vor Jahren gelesen und kann mich nicht mehr gut daran erinnern. Kennt ihr das Buch?


5

5     Vor der Lektüre muss ich noch einige Dinge erledigen und fahre mit der U-Bahn durch halb Wien. Unsere Hundertwasser Müllverbrennungsanlage leuchtet doch mit der Sonne um die Wette, oder? 😊 Man kann dort auch (geruchlose!) Führungen machen, das nehme ich mir für bald einmal vor. 



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6     Zu Mittag gibt es schnelle Küche - wie so oft ein Kitchari aus der ayurvedischen Küche. In diesen veganen Mungbohnen-Reis Topf passt so ziemlich alles an Gemüse, was gerade da ist. Bei mir ist heute Lauch und Brokkoli dabei und Petersilie und Koriander obenauf. Es ist soo wohltuend, richtiges Soulfood! 



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7     Das Hietzinger Tor nach Schönbrunn. 
Am Nachmittag bin ich nochmals unterwegs, diesmal zu meiner Energetikerin-Freundin für eine Access-Bars Behandlung, die mir immer so unendlich gut tut. 

(Werbung ist hier immer unverlangt und unbezahlt)


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8     Genau, gebrauchte Masken gehören "gekübelt", also in den Mistkübel und nicht "frei" weggeworfen, so wie das viele machen. Nur noch in Wien besteht nach wie vor eine FFP2-Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei Arzt, Apotheke und im Spital. 
Die öffentlichen Wiener Mülleimer haben alle die verschiedensten witzigen Sprüche aufgedruckt. Ob sie helfen, die Moral zu verbessert, sei dahingestellt. 
Das Schild verlinke ich mit Artis Schilderwald, auch wenn es aufgeklebt ist... 



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9     An solchen Sammelstellen in ganz Wien enden Christbäume und später werden sie an die Elefanten im Tiergarten Schönbrunn verfüttert. Ob das so gesund ist, bin ich mir nicht sicher, denn Bäume aus Christbaumkulturen sind nur selten bio. Aber die Elefanten freuen sich offenbar, wenn sie die Bäume zerlegen und damit "spielen" dürfen. 



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10     Du siehst aber süß aus!



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11     Süß und sehr köstlich sind auch diese Krapfen, die wir später zu Hause verspeisen. Die mit dem unbezuckerten Streifen sind mit Vanillecreme gefüllt, der dritte hat eine feine Marmeladefülle. Jetzt nach den Weihnachtsfeiertagen beginnt wieder die absolute Hoch-Zeit für Krapfen in Wien und dauert bis zum Faschingsende. Bei richtig guten Krapfen kann ich nicht widerstehen...



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12     Abendliche Spiegelungen am Fenster mit der letzten Weihnachtsdeko und einem Mondsichelspiegel. Den Stern lassen wir gern noch eine Weile hängen, er macht so ein gemütliches Licht! 


In diesem Sinne habt noch einen schönen Abend, ich freu mich über Kommentare, 
liebe Grüße aus Wien





Montag, 18. Februar 2019

"Das Nusszweiglein" und Haselnusskipferl


Andrea Zitronenfalterin fragte nach unseren Lieblingsmärchen in der Kindheit. "Mein" Märchen hatte ich schon fast vergessen, aber eine ausgiebige Recherche im www brachte mich wieder darauf. Es ist...

Das Nusszweiglein von Ludwig Bechstein. Worum es da ging, habe ich ganz unten nacherzählt. Ich weiß noch, dass ich dieses Märchen als Kind sehr gern hatte. Womöglich, ich bin nicht sicher, besaß ich sogar eine Schallplatte davon, wahrscheinlich unzählige Male gehört...


Dieses Märchen stammt von Ludwig Bechstein (1801-1860), von den Brüdern Grimm gibt es eines mit ähnlichen Motiven. Märchen waren ursprünglich aber nichts für Kinder, erst die "Grimms" im 19. Jahrhundert begannen. sie für Kinder zum Vorlesen zu adaptieren. Sicher seit vorgeschichtlicher Zeit wurden tatsächliche Begebenheiten, Geschichten und Mythen mündlich weiter erzählt. Diese Märchen oder Sagen hatten wohl hauptsächlich eine soziale Funktion als Weitergabe von Erfahrungen, Botschaften, "Lebensweisheiten" und voll von Symbolen und bildhafter Sprache...


Ein (grüner) Haselnusszweig gibt "meinem" Märchen den Namen. Der Haselstrauch ist seit Urzeiten eine wichtige Nutz- und Schutzpflanze. Für die Kelten war er ein besonderer mythischer Baum, ähnlich wie Holunder. Aber für das Monatsevent bei Andrea steuere ich etwas Kulinarisches mit Haselnüssen bei. 

Dass junge Haselnussblätter essbar sind, habe ich hier gezeigt. 

Die Haselnüsse für mein heutiges süßes Rezept stammen aus Biolandwirtschaft aus dem Waldviertel, nördliches Niederösterreich. Sie stecken im Kipferl-Teig und in der Fülle und sollten vor dem Mahlen geröstet werden. Das gibt ein tolles Aroma - bitte nicht darauf verzichten!


Haselnusskipferl (Hörnchen)
(für ca. 16 - 18 Kipferl)

Teig:
250 g glattes Dinkelmehl
90 g Haselnüsse, fein gerieben
90 g Staubzucker 
Vanille
1 Prise Salz
½ Bio Zitrone, die abgeriebene Schale (Saft für die Fülle)
1 P. Weinstein Backpulver
200 g Topfen / Quark
2 Eier (M)

Fülle:
ca. 90 - 100 g Haselnüsse, fein bzw. teilweise grob gerieben
1 EL Staubzucker
optional 1 - 2 EL Rum nach Belieben
etwas Zitronensaft
ca. 3 EL Milch, löffelweise nach Bedarf

Zubereitung:
Mit den Haselnüssen beginnen.

Benötigt werden ca. 200 g Haselnüsse (also ein bisschen mehr, als in Teig und Fülle kommen). Sie werden in einer Pfanne unter Rühren trocken und braun geröstet. Die Schale löst sich dabei bereits ein bisschen. Die Nüsse werden dann in ein Geschirrtuch gegeben und die Schale abgerieben, so gut es eben geht. Auskühlen lassen und fein reiben (ein kleiner Teil kann auch grob bleiben, der kommt dann in die Fülle).
Die geriebenen Haselnüsse nochmals abwiegen für Teig bzw. Fülle.

Für den Teig die trockenen und feuchten Zutaten jeweils vermischen und dann einen geschmeidigen Teig kneten. Anfangs ist er trocken, aber das wird...
Für die Fülle alle Zutaten verrühren, dabei die Milch aber nur löffelweise dazugeben, bis die Konsistenz passt.

Den Teig auf einer bemehlten Fläche nicht allzu dünn auswalken und Dreiecke schneiden (oder radeln wie ich). Jeweils ein Löfferl Fülle auf die breite Seite geben und zum Spitz hin einrollen.

Die Kipferl auf ein Backblech + Backpapier mit etwas Abstand zueinander legen (sie gehen noch auf). Mit etwas Öl oder Ei bestreichen und im vorgeheizten Rohr bei 180°C etwa 15 - 20 Minuten je nach Ofen goldbraun backen. Auskühlen lassen und anzuckern.

Tipp: am nächsten Tag toasten oder aufbacken. Einfrieren kann man sie auch gut, d.h. am besten gleich mehr machen.

Dieser noch winterliche Haselnussstrauch steht am Rand eines wilden verwunschenen (und nicht zugänglichen) Schlossparks in meiner Wohngegend - aber das ist eine andere Geschichte.

~ ~ ~

Das Nusszweiglein von Ludwig Bechstein 
kurz nacherzählt aus dem Deutschen Märchenbuch von 1847 (unverlinkt, unaufgefordert, unentgeltlich, im www zu finden):

Ein Kaufmann geht auf Reisen und möchte seinen Töchtern Geschenke mitbringen. Die jüngste wünscht sich keinen Schmuck, sondern ein Nusszweiglein und gerade ein solches ist lang nicht aufzutreiben. Erst in einem dunklen Wald findet der Kaufmann einen grünen Nusszweig mit goldenen Nüssen, bricht ihn ab und steht plötzlich einem furchtbaren Bären gegenüber, der ihn fressen will. Der Kaufmann kann sich nur mit einem Versprechen retten - das erste, was ihm beim Heimkommen begegnet, soll dem Bären gehören. Leider läuft dem Kaufmann zu Hause nicht der Hund, sondern die jüngste Tochter entgegen.
Nach einiger Zeit erscheint der furchterregende Bär und fordert die Erfüllung des Versprechens. Beim ersten Mal wird die "Hirtentochter" dem Bären mitgegeben, doch der erkennt den Betrug (und sie kann fliehen). Schließlich muss die jüngste Tochter des Kaufmannes mit dem Bären mitfahren. Der Bär verlangt von ihr:

"Graue mich, grabble mich,
Hinter den Ohren, zart und fein,
Oder ich fress' Dich mit Haut und Bein!"

Und das Mädchen grabbelte, und so sanft, daß es ihm baß behagte, und daß sein furchtbarer Bärenblick freundlich wurde, so daß allmählig die arme Bärenbraut einiges Vertrauen zu ihm gewann. 

Sie kommen in einen dunklen Wald und zu einer Höhle. Der Bär lässt das Mädchen durch eine Eisentür hineingehen. Im ersten Zimmer ist schreckliches Getier und giftiges Gewürm und der Bär sagt zu ihr:

"Seh' Dich nicht um!
Nicht rechts, nicht links;
Gerade zu, so hast Du Ruh."


Das Mädchen geht zitternd vor Angst, aber ohne um sich zu blicken, durch insgesamt 11 Zimmer, die alle mit den scheußlichsten Kreaturen, wie Lindwürmer, Basilisken, Drachen, angefüllt sind.
Im 12. Zimmer aber erstrahlt plötzlich glänzendes Licht, erschallt liebliche Musik und fröhliche Jubelrufe. Plötzlich ertönt ein furchtbarer Donnerschlag und ein prächtiges Schloss mit Dienerschaft ersteht vor dem Mädchen. Der Bär ist ein schöner junger Mann und der Fürst des Schlosses. Er drückt seine Braut voll Dankbarkeit an sich. Später wird auch ihre Familie ins Schloss geholt. Die Fürstin trägt das Nusszweiglein immerzu und es verwelkt nie.
Und wenn sie nicht gestorben sind....


Die 12 Zimmer stehen für unseren Sonnenkalender mit den 12 Monaten (im Gegensatz zum vor-patriarchalen Mondkalender mit 13 Mondzyklen im Jahr). Es geht um eine Initiation und wie das Mädchen zur Frau oder Braut wird. Ein Nusszweig bedeutet unter anderem Fruchtbarkeit und Glück. Der Bär gehört zu den mächtigsten schamanischen Krafttieren.... Man könnte es auch so sehen, dass ein ungebundenes Mädchen, das frei aufwächst, in eine abhängige, patriarchale Lebensweise gezwungen wird. 
~ ~ ~

Kanntet ihr dieses Märchen?
Ich freue mich über jeden Kommentar!
Andrea, ganz lieben Dank für die schöne Anregung mit diesem Monatsmotto! Ich hätte mich sonst sicher jetzt nicht mit Märchen beschäftigt.



Sonntag, 8. Juli 2018

eine Burg und bunte Lichter mit Zitat im Bild


eine Burgruine im Waldviertel (Niederösterreich)... ein schöner Abend (leider ein bisschen kühl)... bunte Lichter an den Wänden... Musik und Gesang aus dem Mittelalter.... Dichtkunst vom Feinsten... stimmungsvoller geht´s nicht... 



die Burgruine Dobra am gleichnamigen Stausee


Blick vom Bergfried (Turm) hinunter auf die Bühne und den Zuschauerbereich im Burghof. Immer zu Sommerbeginn findet hier eine dreitägige berührende Veranstaltung statt (Klangraum). 


Wir waren heuer an zwei Abenden hier und hörten, aufgelockert durch die passende Musik aus dem Mittelalter, Ausschnitte aus der Arthus-Sage und die witzige Episode von Gawan und Orgeluse aus Eschenbachs Parzival. Da kommt erst gar keine Scheu vor "hoher Dichtkunst" auf... 


wunderschön war´s, ein Genuss für alle Sinne! 

liebe Nova, für dich und dein Projekt "Zitat im Bild" Nr. 105




Kulinarisch sah es so aus... das sind herrliche Waldviertler Mohnnudeln mit Zwetschkenröster... aber das ist eine andere Geschichte!

Einen schönen Sonntag wünsche ich euch!