Montag, 18. Februar 2019

"Das Nusszweiglein" und Haselnusskipferl


Andrea Zitronenfalterin fragte nach unseren Lieblingsmärchen in der Kindheit. "Mein" Märchen hatte ich schon fast vergessen, aber eine ausgiebige Recherche im www brachte mich wieder darauf. Es ist...

Das Nusszweiglein von Ludwig Bechstein. Worum es da ging, habe ich ganz unten nacherzählt. Ich weiß noch, dass ich dieses Märchen als Kind sehr gern hatte. Womöglich, ich bin nicht sicher, besaß ich sogar eine Schallplatte davon, wahrscheinlich unzählige Male gehört...


Dieses Märchen stammt von Ludwig Bechstein (1801-1860), von den Brüdern Grimm gibt es eines mit ähnlichen Motiven. Märchen waren ursprünglich aber nichts für Kinder, erst die "Grimms" im 19. Jahrhundert begannen. sie für Kinder zum Vorlesen zu adaptieren. Sicher seit vorgeschichtlicher Zeit wurden tatsächliche Begebenheiten, Geschichten und Mythen mündlich weiter erzählt. Diese Märchen oder Sagen hatten wohl hauptsächlich eine soziale Funktion als Weitergabe von Erfahrungen, Botschaften, "Lebensweisheiten" und voll von Symbolen und bildhafter Sprache...


Ein (grüner) Haselnusszweig gibt "meinem" Märchen den Namen. Der Haselstrauch ist seit Urzeiten eine wichtige Nutz- und Schutzpflanze. Für die Kelten war er ein besonderer mythischer Baum, ähnlich wie Holunder. Aber für das Monatsevent bei Andrea steuere ich etwas Kulinarisches mit Haselnüssen bei. 

Dass junge Haselnussblätter essbar sind, habe ich hier gezeigt. 

Die Haselnüsse für mein heutiges süßes Rezept stammen aus Biolandwirtschaft aus dem Waldviertel, nördliches Niederösterreich. Sie stecken im Kipferl-Teig und in der Fülle und sollten vor dem Mahlen geröstet werden. Das gibt ein tolles Aroma - bitte nicht darauf verzichten!


Haselnusskipferl (Hörnchen)
(für ca. 16 - 18 Kipferl)

Teig:
250 g glattes Dinkelmehl
90 g Haselnüsse, fein gerieben
90 g Staubzucker 
Vanille
1 Prise Salz
½ Bio Zitrone, die abgeriebene Schale (Saft für die Fülle)
1 P. Weinstein Backpulver
200 g Topfen / Quark
2 Eier (M)

Fülle:
ca. 90 - 100 g Haselnüsse, fein bzw. teilweise grob gerieben
1 EL Staubzucker
optional 1 - 2 EL Rum nach Belieben
etwas Zitronensaft
ca. 3 EL Milch, löffelweise nach Bedarf

Zubereitung:
Mit den Haselnüssen beginnen.

Benötigt werden ca. 200 g Haselnüsse (also ein bisschen mehr, als in Teig und Fülle kommen). Sie werden in einer Pfanne unter Rühren trocken und braun geröstet. Die Schale löst sich dabei bereits ein bisschen. Die Nüsse werden dann in ein Geschirrtuch gegeben und die Schale abgerieben, so gut es eben geht. Auskühlen lassen und fein reiben (ein kleiner Teil kann auch grob bleiben, der kommt dann in die Fülle).
Die geriebenen Haselnüsse nochmals abwiegen für Teig bzw. Fülle.

Für den Teig die trockenen und feuchten Zutaten jeweils vermischen und dann einen geschmeidigen Teig kneten. Anfangs ist er trocken, aber das wird...
Für die Fülle alle Zutaten verrühren, dabei die Milch aber nur löffelweise dazugeben, bis die Konsistenz passt.

Den Teig auf einer bemehlten Fläche nicht allzu dünn auswalken und Dreiecke schneiden (oder radeln wie ich). Jeweils ein Löfferl Fülle auf die breite Seite geben und zum Spitz hin einrollen.

Die Kipferl auf ein Backblech + Backpapier mit etwas Abstand zueinander legen (sie gehen noch auf). Mit etwas Öl oder Ei bestreichen und im vorgeheizten Rohr bei 180°C etwa 15 - 20 Minuten je nach Ofen goldbraun backen. Auskühlen lassen und anzuckern.

Tipp: am nächsten Tag toasten oder aufbacken. Einfrieren kann man sie auch gut, d.h. am besten gleich mehr machen.

Dieser noch winterliche Haselnussstrauch steht am Rand eines wilden verwunschenen (und nicht zugänglichen) Schlossparks in meiner Wohngegend - aber das ist eine andere Geschichte.

~ ~ ~

Das Nusszweiglein von Ludwig Bechstein 
kurz nacherzählt aus dem Deutschen Märchenbuch von 1847 (unverlinkt, unaufgefordert, unentgeltlich, im www zu finden):

Ein Kaufmann geht auf Reisen und möchte seinen Töchtern Geschenke mitbringen. Die jüngste wünscht sich keinen Schmuck, sondern ein Nusszweiglein und gerade ein solches ist lang nicht aufzutreiben. Erst in einem dunklen Wald findet der Kaufmann einen grünen Nusszweig mit goldenen Nüssen, bricht ihn ab und steht plötzlich einem furchtbaren Bären gegenüber, der ihn fressen will. Der Kaufmann kann sich nur mit einem Versprechen retten - das erste, was ihm beim Heimkommen begegnet, soll dem Bären gehören. Leider läuft dem Kaufmann zu Hause nicht der Hund, sondern die jüngste Tochter entgegen.
Nach einiger Zeit erscheint der furchterregende Bär und fordert die Erfüllung des Versprechens. Beim ersten Mal wird die "Hirtentochter" dem Bären mitgegeben, doch der erkennt den Betrug (und sie kann fliehen). Schließlich muss die jüngste Tochter des Kaufmannes mit dem Bären mitfahren. Der Bär verlangt von ihr:

"Graue mich, grabble mich,
Hinter den Ohren, zart und fein,
Oder ich fress' Dich mit Haut und Bein!"

Und das Mädchen grabbelte, und so sanft, daß es ihm baß behagte, und daß sein furchtbarer Bärenblick freundlich wurde, so daß allmählig die arme Bärenbraut einiges Vertrauen zu ihm gewann. 

Sie kommen in einen dunklen Wald und zu einer Höhle. Der Bär lässt das Mädchen durch eine Eisentür hineingehen. Im ersten Zimmer ist schreckliches Getier und giftiges Gewürm und der Bär sagt zu ihr:

"Seh' Dich nicht um!
Nicht rechts, nicht links;
Gerade zu, so hast Du Ruh."


Das Mädchen geht zitternd vor Angst, aber ohne um sich zu blicken, durch insgesamt 11 Zimmer, die alle mit den scheußlichsten Kreaturen, wie Lindwürmer, Basilisken, Drachen, angefüllt sind.
Im 12. Zimmer aber erstrahlt plötzlich glänzendes Licht, erschallt liebliche Musik und fröhliche Jubelrufe. Plötzlich ertönt ein furchtbarer Donnerschlag und ein prächtiges Schloss mit Dienerschaft ersteht vor dem Mädchen. Der Bär ist ein schöner junger Mann und der Fürst des Schlosses. Er drückt seine Braut voll Dankbarkeit an sich. Später wird auch ihre Familie ins Schloss geholt. Die Fürstin trägt das Nusszweiglein immerzu und es verwelkt nie.
Und wenn sie nicht gestorben sind....


Die 12 Zimmer stehen für unseren Sonnenkalender mit den 12 Monaten (im Gegensatz zum vor-patriarchalen Mondkalender mit 13 Mondzyklen im Jahr). Es geht um eine Initiation und wie das Mädchen zur Frau oder Braut wird. Ein Nusszweig bedeutet unter anderem Fruchtbarkeit und Glück. Der Bär gehört zu den mächtigsten schamanischen Krafttieren.... Man könnte es auch so sehen, dass ein ungebundenes Mädchen, das frei aufwächst, in eine abhängige, patriarchale Lebensweise gezwungen wird. 
~ ~ ~

Kanntet ihr dieses Märchen?
Ich freue mich über jeden Kommentar!
Andrea, ganz lieben Dank für die schöne Anregung mit diesem Monatsmotto! Ich hätte mich sonst sicher jetzt nicht mit Märchen beschäftigt.



Donnerstag, 14. Februar 2019

ultimatives Dinkeltoastbrot nachgebacken


Wenn ich ein für mich "ultimatives" Rezept entdeckt habe, dann bleibe ich gern dabei, bin glücklich damit und suche nicht weiter nach Verbesserungen. Es ging mir in letzter Zeit mit dem flaumigen Wolkenzopf von Maria (klick) so und jetzt mit diesem Toastbrot, für das ich hauptsächlich Dinkelmehl verwendet habe.
Gefunden habe ich das Toastbrot bei Sylvia Brotwein und ich habe ihr Rezept ein bisschen für mich vereinfacht und abgewandelt, vor allem die Mehlsorten. Ich habe unten die Menge für eine Kastenform notiert und Sylvias tolle Anleitung leicht vereinfacht dargestellt... 


Dinkeltoastbrot
für 1 Kastenform mit 30 cm
frei nach Brotwein

Vorteig:
107 g Roggenmehl
107 g Wasser
0,1 g frische Germ / Hefe, in etwa 1 Reiskorn-groß

Teig:
Vorteig
315 g Dinkelmehl
162 g Wasser
ca. 25 ml Öl
7 g frische Germ / Hefe
9 g Salz
ca. 1/2 TL Zucker (1 abgepackte Zuckerportion wie im Kaffeehaus)

Zubereitung:
  1. Die Zutaten für den Vorteig verrühren und über Nacht bzw. mindestens 12 Stunden zugedeckt bei Zimmertemperatur reifen lassen, idealerweise bis zu 18 Stunden. 
  2. Alle Zutaten für den Hauptteig sehr gut verkneten. 
  3. Stockgare mit Dehnen & Falten: Den Teig 1,5 Stunden gehen lassen, dabei alle 30 Minuten strecken und falten (Luftblasen müssen raus). Eventuell den Teig nach dem Anspringen im Kühlschrank rasten lassen, aber dann wieder Zimmertemperatur annehmen lassen. 
  4. Toast formen: Den Teig gut durchkneten, so dass große Luftblasen komplett ausgestoßen werden, etwa 10 Minuten entspannen lassen. 
  5. Den Teig zu einem schönen länglichen Zylinder formen, in eine Kastenform + Backpapier geben.
  6. Stückgare: Bei Raumtemperatur ein letztes Mal bis zu 2,5 Stunden gehen lassen. 
  7. Backofen vorheizen: Rechtzeitig den Backofen (mit Backstein wenn vorhanden, habe ich nicht) auf 250°C vorheizen. 
  8. Toast backen: Die Kastenform (auf den Backstein) ins Rohr stellen und mit Dampf backen, d.h. eine Schüssel mit Wasser dazustellen bzw. Wasser hineinsprühen, soferne der Ofen keine Dampffunktion besitzt. Nach 10 Minuten kurz öffnen und den Dampf ablassen. 
  9. Die Temperatur auf 175°C reduzieren und weitere 20 Minuten backen.  
  10. Optional das Brot aus der Kastenform heben und ohne Form weitere 20 bis 25 Minuten backen. Insgesamt rd. 50 Minuten backen.

Wesentlich beim Toastbrot erscheint mir das Kneten zum Herauslassen von Luftblasen. Beim No-knead-bread sind Luftblasen erwünscht, aber nicht bei einem Toastbrot (wieder was gelernt!).
Das oftmalige Gehen-lassen macht Brot bekömmlicher und besser.  Eine lange Teigführung lässt Balaststoffe und Stärke im Teig besser quellen, die optimale Temperatur dabei ist 35°C.



"Ultimativ", also nicht wirklich zu verbessern oder die subjektiv höchste Stufe erreicht zu haben, können natürlich nicht nur Rezepte sein. Meinen ultimativen "Don Giovanni" von Mozart habe ich vor Jahren in der Staatsoper in Wien genossen. Die berühmte Arie des Don Ottavio "Dalla sua pace" kann nur Michael Schade so schön singen :-))
(im www zu finden)  


die Staatsoper gestern Abend


Wie ist das bei euch mit "ultimativ"?



Freitag, 8. Februar 2019

Apfel-Rosen Tiramisu zum "Valentinstag"

rote Rose - Symbol der Liebe
Bild vom letzten Herbst
Unsere Waldviertler Gartenrosen habe ich schon mehrmals gezeigt.... sie sind nicht nur dekorativ und beinahe unverwüstlich, sondern duften auch sehr stark.... ideal, um sie jedes Jahr irgendwie zu konservieren. Von Rosengelee, Marmelade bis Rosenzucker und Rosensalz habe ich schon alles gemacht. Der Nachteil an diesen duftenden Dingen - der Rosenduft vergeht bald und man sollte sie auf jeden Fall innerhalb eines Jahres aufbrauchen. Der so genannte "Valentinstag" wäre eine gute Gelegenheit.


Apfel-Rosen Tiramisu 
(für eine kleine Form, ca. 4 Portionen)

500 ml Apfelmus aus ca. 3/4 kg Äpfeln (ich: Kellerlagerungsverwertung ;-)
1 Zimtstange

Creme:
500 g Mascarpone
1 - 2 EL Staubzucker
1/2 Glas Rosengelee, ca. 5 EL
1 TL Rosenwasser
1 Gläschen Rosenlikör

weiters:
1 Packung, 100 g rosa Biskotten "Biscuit Rose de Reims" oder "normale" Löffelbiskuits
eine Blütenmischung mit Rosen oder gemahlene Rosenblüten zum Bestreuen (ich: "Flower Power" von Sonnent*r)

Zubereitung:


  • Die Äpfel mit wenig Wasser und 1 Zimtstange weich kochen, dann den Saft auffangen und die Äpfel pürieren. Ich habe keinen Zucker verwendet, Creme und Biskotten bringen genügend Süße. 
  • Für die Creme alle Zutaten glatt verrühren.  
  • In eine geeignete Form knapp bodenbedeckt Apfelsaft eingießen, dann Biskotten - Apfelmus - Creme jeweils 2x einschlichten. Durch das Apfelmus ziehen die Löffelbiskuits rasch durch. Die Creme obenauf entweder schön verstreichen oder wie ich aufspritzen. 
  • Das Tiramisu mit einer Blütenmischung oder gemahlenen Rosenblüten bestreuen und kühl stellen. 




Ein locker leichtes fruchtiges Tiramisu und ein ideales Dessert für zwei, um sich nach dem Essen nicht zu "voll" zu fühlen...

Den heiligen Valentin als Märtyrer, der im 3. Jahrhundert Verliebte getraut haben soll, hat es höchstwahrscheinlich nicht gegeben. Wohl aber gab es in vorchristlicher Zeit ausgelassene Feierlichkeiten, wenn die Tage heller und wärmer wurden und der Frühling sich ankündigte (Nachlese). In diesem Sinne liebe Grüße!

Was bedeutet euch der "Valentinstag"?



Donnerstag, 7. Februar 2019

Rettungsaktion: veganes Essen fürs Büro aus Mandelmilchproduktion


Wer berufstätig ist, vor allem ganztags so wie ich, der kommt nicht darum herum, sich Gedanken um das Essen außer Haus zu machen. Supermärkte und Bäckereiketten bieten mittlerweile ein Riesenangebot an Essen zum Mitnehmen an, ABER....
(Die neue kulinarische Rettungsaktion dreht sich ums Essen zum Mitnehmen. Susi Turbohausfrau sammelt wieder die Links - danke dir fürs Organisieren, auch an Christine und den anderen im Hintergrund!)

Die Problematik beim Lunch to go aus dem Supermarkt sehe ich nicht nur an den Speisen selbst mit oft fragwürdigen Zutaten und Inhaltsstoffen. Es sind die Einweg-Verpackungen mit viel Plastik oder Alu, die mich so furchtbar stören, denn die landen sofort im Müll und damit über kurz oder lang in der Umwelt. Das kann es doch nicht sein... 

Als ersten Schritt könnte man sich so hübsche, praktische Behälter, zum Beispiel aus Bambus, zulegen. Wenn ich nicht vorkochen mag und trotzdem im Büro etwas Gesundes essen möchte, mache ich es meistens so wie oben: frisches Brot vom Bäcker unterwegs, Obst, Rohkost, eine zu Hause vorbereitete Avocadocreme (klick) oder Pesto, Aufstrich, hartes Ei etc...

Für die heutige Rettungsaktion habe ich aber vorgekocht und wieder einmal Mandelmilch gemacht. Mit der Mandelmilch und den Mandelrückständen gab es Essen für zwei Tage zum Mitnehmen und für uns zu Hause:
Mandelmilch selbstgemacht wie hier beschrieben aus 200 g bio Mandeln. 

Ich verwende mittlerweile meist ungeschälte Mandeln, weiche sie vor dem Mixen einige Zeit in kaltes Wasser ein und spüle sie dann gut ab. Mit gut 3/4 Liter Wasser gemixt erhält man fast 1 Liter Mandelmilch, sie hält sich im Kühlschrank ein paar Tage. Die Mandelrückstände sind nicht gut haltbar, sie schimmeln auch im Kühlschrank rasch, daher am besten gleich verarbeiten.



Aufstrich / Pesto mit Ofengemüse und Mandelrückständen vegan
Inspiration Rezeptquelle

ca. 190 - 200 g Mandelrückstände aus Mandelmilchproduktion
1 mittlere Süßkartoffel
2 Karotten
3 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
reichlich gutes, bio (Oliven-) Öl nach Bedarf
1 bio Zitrone, Schale und Saft
reichlich frischen Thymian
optional etwas Basenkräuter-Mischung Hildegard von Bingen
Brennesselsamen zum Bestreuen

Zubereitung:

Das Backrohr auf 180°C vorheizen, ein Backblech mit Backpapier belegen.
Süßkartoffel und Karotten schälen und in Stücke schneiden. Gemeinsam mit dem Knoblauch in einer Schüssel mit Salz und Öl vermischen und auf das Backblech geben. Die Mandelrückstände darüber verteilen (siehe Foto oben, linke Seite).
Im Rohr eine gute halbe Stunde braten (wie das duftet!), bis das Gemüse weich ist.
Herausnehmen und gemeinsam mit den restlichen Zutaten vermischen. Entweder wie im Original im Mixer mixen oder in einer Schüssel mit der Gabel zerdrücken und vermischen (ich).
Soviel Öl dazu geben, bis die gewünschte Geschmeidigkeit erreicht ist. Abschmecken.

Brot dazu... und am besten aus dem Glas löffeln.

Bitte unbedingt ausprobieren! Durch das ofengeröstete Gemüse (viele Varianten sind möglich!) und die ebenfalls gerösteten Mandelrückstände kommt viel Geschmack in die vegane Sache und schmeckt nicht fad!


Mit der Mandelmilch habe ich Milchreis gekocht, ebenfalls vegan und ideal zum Mitnehmen im Glas - entweder aufgewärmt oder kalt (ich) essen.


Linkliste:
#wirrettenwaszurettenist

Anna Antonia - Quiche mit Reh und Meerrettich
auchwas - Tartelettes mit Kaki und Blauschimmelkäse
Brigittas Kulinarium - Chioggia-Rübensalat mit Feta to go
Brittas Kochbuch - Chicken Teriyaki Sub
Brotwein - Club Sandwich Varianten - Huhn, vegetarisch, Avocado, Thunfisch
Cakes Cookies an more - Focaccia mit Frischkäse und Rohschinken
CorumBlog 2.0 - Sonnengelber Reissalat zum Mitnehmen
Das Mädel vom Land - Jausenhasen
evchenkocht - Bulgur-Salat mit Hackbällchen
Fliederbaum - Veganes Essen zum Mitnehmen aus Mandelmilchproduktion
Food for Angels and Devils - Salat to go
genial-lecker - Asiatischen Steckrübensuppe
Katha kocht! - Karotten-Selleriesalat mit Rosinen
Kleines Kuliversum - Wintersalat mit Honig-Senf Dressing aus dem Glas
Madam Rote Rübe - Schoko-Chiapudding mit Cashew-Mandelcreme und Birne - Leckeres zum Mitnehmen
Pane-Bistecca - Chaeschuechli
Unser Meating - Eier-Geflügelsalat to go
Turbohausfrau - Müsli to go


Das Essen im Büro für die nächste Zeit ist mit dieser großen Auswahl gerettet, oder?




Freitag, 1. Februar 2019

Genuss in rot-weiß-rot: Gemüse in der Mohnpanier und ein Mohnpesto


Es wird paniert, kündigte Sina Giftigeblonde für Anfang Februar an. Na gerne doch, in Wien wird ja eh gern alles mögliche paniert.
Dass unser Wiener Schnitzel vom gebackenen Mailänder Kotelett aus dem 19. Jahrhundert abstammen soll, ist höchstwahrscheinlich sowieso falsch. Paniert wurde in Wien nämlich schon länger, zum Beispiel Rindfleisch, Kalbsfüße etc...

Trotzdem habe ich für heute kein Fleisch, sondern Gemüse paniert. Es eignen sich sehr gut Zucchini, Kürbis und Pilze - zB. Parasol mit großem Hut wie hier. Im Winter sind mir am liebsten vorgegarte Scheiben von Kohlrabi oder Sellerieknolle. Anderes Gemüse, wie Brokkoli würde ich eher in einen Backteig tauchen.

Für meine heutige dunkle Panier (siehe Glossar, unten) habe ich Semmelbrösel und Mohn gemischt, das passt sehr gut zu Gemüse, aber auch zu Karpfen.

Tipp: Gemahlenen Mohn habe ich immer im Tiefkühler. Er wird sonst schnell ranzig, sollte aber andererseits auch nicht allzu lange tiefgefroren aufbewahrt werden. Denn er verliert mit der Zeit sein Aroma, die ätherischen Öle verflüchtigen sich.


Gemüseschnitzel in der Mohnpanier
(für 2 Personen)

1 mittlerer Kohlrabi und
1 kl. bzw. halbe Sellerieknolle, pro Person ca. 4 - 5 Scheiben gemischtes Gemüse
(Reste für Suppe o.a.)
Wasser-Milch-Gemisch (halb halb)
Salz

zum Panieren:
Mehl
2 Eier
Semmelbrösel und
(Waldviertler) Graumohn (halb halb)
reichlich Butterschmalz oder Öl zum Ausbacken

Zubereitung:

In einem großen Topf Wasser, Milch und Salz zum Kochen bringen.
Kohlrabi und Zeller schälen und in nicht zu dicke Scheiben schneiden, ca. 7 mm dick. Die Gemüsescheiben sofort ins kochende Wasser legen und bissfest köcheln lassen. Sobald sie sich mit einer Gabel anstechen lassen, herausnehmen und auf einem Teller kurz auskühlen lassen. Salzen.


Eine "Panierstraße" mit Mehl, verschlagenen Eiern und Semmelbröseln plus Mohn (auf dem Foto von rechts nach links) in jeweils einer Schüssel vorbereiten.


Die Gemüsescheiben panieren und und wieder auf einem (trockenen) Teller parken.

Bis hierher könnten sämtliche Schnitzel, ob Gemüse oder Fleisch, auch vorbereitet werden, aber nicht zu lange im Vorhinein. Überhaupt sind panierte Speisen eine eher schnelle Sache und nicht zum ewigen Vorbereiten gedacht. Idealerweise bäckt man Schnitzel vor dem Servieren frisch heraus und lässt sie nicht allzu lange stehen... die Panier wird sonst letschert ;-)

Für das Herausbacken wird reichlich Fett erhitzt und die Gemüseschnitzel schwimmend goldbraun gebacken - durch den Mohn werden sie ziemlich dunkel.
Herausnehmen und auf Küchenpapier entfetten. Sofort servieren, d.h. die Beilagen sollten bereits fertig sein!


Bei uns gab es dazu Erdäpfeln, Vogerlsalat mit einem Dressing aus Apfelessig, Honig und Mohnöl, ein Patzerl Joghurt und darauf ein Löfferl vom würzigen, dunklen Mohnpesto mit Nüssen.


Mohn-Walnusspesto
(für 1 kleines Schüsserl)

25 g (Waldviertler) Graumohn, gemahlen
50 g Walnüsse, gemahlen
ca. (25 -) 50 g Parmesan, fein gerieben, nach Belieben mehr (ich) oder weniger
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
optional etwas Petersilie
Salz
Pfeffer
Mohnöl oder gutes Rapsöl nach Bedarf

Zubereitung:
Für das Pesto alle Zutaten miteinander verrühren und dabei so viel Öl verwenden, dass die Konsistenz für ein Pesto passt. Abschmecken, aber mit dem Salz aufpassen, denn der Parmesan macht es recht würzig.

Tipp: Das Mohnpesto einen Tag vorher zubereiten und zugedeckt kühl ziehen lassen, es wird dann intensiver und der Mohngeschmack kommt besser heraus. Es passt auch ideal auf getoastetes Schwarzbrot und zu Erdäpfeln, Gnocchi und Nudeln.


Linkliste
#Genuss_in_rot-weiß-rot


Turbohausfrau: Gefüllte Hendlbrüste auf Rotkrautsalat: 

https://www.turbohausfrau.at/2019/02/gefullte-hendlbruste-auf-rotkrautsalat.html
 

The Apricot Lady: Schnitzel aus dem Backofen:  
https://www.theapricotlady.com/schnitzel-aus-dem-backofen/
 

Genussatelier Lang: Backhendlsalat:  
https://genussatelierlang.com/2019/02/01/backhendlsalat/
 

Sina Giftigeblonde hat das Thema verfehlt ;-)

Nachzüglerin Maria Mädel vom Land mit panierten roten Rüben "Raunaschnitzel"

Glossar:
Erdäpfeln - Kartoffeln,
letschert - schlapp, matt, müde, zu weich, nicht mehr knusprig, alt, welk, zäh, reizlos, geschmacklos, entkräftet etc.... ein sehr geniales und vielseitiges Wort, auch auf Menschen anwendbar, "ich fühl mich heut total letschert" ;-)  
Löfferl - Teelöffel,
Panier - Panade,
panieren - vorbereitetes Fleisch, Fisch oder Gemüse der Reihe nach in Mehl, Ei, Semmelbröseln wälzen und letztere etwas andrücken, dann in Fett schwimmend ausbacken,
Patzerl, Batzerl - kleine Menge, Klecks,
Semmelbrösel - Paniermehl,
Vogerlsalat - Feldsalat, Rapunzel, Nüssli,
Zeller - Sellerie,

alles klar soweit? 

liebe Grüße aus Wien



Samstag, 26. Januar 2019

Matera und eine lukanische Brotsuppe


Die süditalienische Stadt Matera ist 2019 eine der so genannten Kulturhauptstädte Europas (die andere ist heuer Plovdiv in Bulgarien). Wir besuchten Matera im Spätwinter 2012 auf unserer Apulien-Kalabrienreise (mit dem Auto) und jetzt ist Gelegenheit, um endlich meine Bilder zu zeigen...




Matera in der Basilikata (oder Lukanien) ganz im Süden von Italien ist berühmt für seine "sassi" - das sind Höhlensiedlungen in den Felsabhängen, in denen mehr als 10.000 Jahre lang Menschen wohnten, sogar noch im 20. Jahrhundert unter heute unvorstellbaren Bedingungen. Erst in den 1950-er Jahren wurden in der Stadt Sozialwohnungen gebaut und die armen Bewohner der Höhlen konnten umsiedeln. Die sassi wurden oft zugemauert oder als Lagerraum genutzt, siehe unten. 



Auslöser für die Veränderung war das Buch "Christus kam nur bis Eboli" von Carlo Levi, in dem der ins süditalienische Exil verbannte Autor die primitiven Höhlensiedlungen anprangerte und einer weiten Öffentlichkeit erst bekannt machte. Matera war damals plötzlich der Schandfleck Italiens. Seit 1993 zählen die sassi zum UNESCO Weltkulturerbe und heute werden immer mehr Höhlen renoviert und zB. als Hotel genutzt - mit Kanalisation, Heizung, Wasserversorgung und schönen Möbeln lässt es sich für Urlauber dort sicher gut aushalten... (ich war nicht drinnen). 

Die Probleme des Mezzogiorno, nach wie vor das Armenhaus Italiens, werden dadurch nicht geringer, aber die Kulturhauptstadt-Geschichte rückt die Aufmerksamkeit vielleicht wenigstens kurz in Richtung Italiens Süden. 

Die Landschaft bei Eboli in den Bergen der Basilikata sieht übrigens so aus, siehe oben. Wir waren Ende Februar 2012 dort, der Frühling hatte sich noch nicht durchgesetzt und die karge Erosionslandschaft sah in der Abenddämmerung noch unwirtlicher aus.




Matera und diese sassi haben mich erst einmal schockiert und deprimiert (das graue Winterwetter tat sein übriges) und ich wollte nur schnell weg von dieser Höhlenstadt. Beim 2. Besuch war ich weniger melancholisch und wir verbrachten einen sehr interessanten Tag in Matera. Wenn es nicht so weit weg wäre, würde ich sogar gern noch einmal hinfahren (aber Entfernung Wien - Matera ca. 1500 km).





Viele Höhlen waren oder sind auch Kirchen, siehe oben. Solche Felsenkirchen sind auch außerhalb der Stadt zu finden.
Man sieht auf den Bildern, wie karg und steinig die Landschaft ist. Das Klima wird zwar als "mild" bezeichnet, aber im Winter kann es ganz schön kalt und windig sein. Die Sommer an der ionischen Mittelmeerküste sollen sehr schön sein...


Aus Kargheit der lukanischen Landschaft kommt diese köstliche Brotsuppe mit wenigen Zutaten, Rezepte habe ich in den Weiten des www gefunden und kombiniert. Ohne Pecorino bestreut wäre die sättigende Suppe vegan, aber der Käse passt gut dazu und das pochierte Ei auch.


Lukanische Brotsuppe vegetarisch
Pancotto ("gekochtes Brot") alla lucana
für ca. 4 Personen

3 große Kartoffeln, ca. 350 g
ca. 150 g Stangensellerie
optional ein paar Brokkoliröschen
1 Karotte
1 kl. Zwiebel
Knoblauch nach Belieben
3 mittelgroße Tomaten
1/2 Bund Petersilie, Stängel mitkochen, Blätter zum Bestreuen
etwas Olivenöl
ca. 1 l Wasser oder Gemüsesuppe (ich)
1 Zweig frischen Rosmarin
Salz, Chili
altbackenes italienisches Brot
Pecorino zum Bestreuen
optional 1 pochiertes Ei pro Person

Kartoffeln und Gemüse würfelig bzw. klein schneiden.
In einem Topf etwas Olivenöl erhitzen, Zwiebel und Knoblauch kurz bräunen und das Gemüse dazugeben, auch die klein geschnittenen Petersilstängel. Mit Wasser oder Suppe aufgießen, würzen und zugedeckt langsam gar köcheln lassen.
Das Brot in eher größere Würfel oder Scheiben schneiden und zum Schluss etwa 5 Minuten in der Suppe mehr ziehen als kochen lassen.
Die Suppe anrichten und mit Petersilie und geriebenem Pecorino bestreuen. Das pochierte Ei ist nicht original lukanisch, passt aber perfekt dazu!




Wart ihr schon einmal in Matera?  Zu welcher Jahreszeit? Wie hat es euch gefallen?




Sonntag, 20. Januar 2019

Kakaoguglhupf Sonntagskuchen

Der Stephansdom mit fast vollem "Wolfsmond" neben dem Turm. 
Ich hatte einige Besorgungen in der Innenstadt zu erledigen und blieb an dieser Stelle, so wie viele andere, stehen, um Dom plus Mond abzulichten. Schön, oder? 


Der heutige Sonntagsguglhupf stammt auch aus Wien, er ist als Familienrezept einer Freundin von früher zu mir gekommen und bei mir geblieben. Die Freundin habe ich leider total aus den Augen verloren...  

Für den originalen Geschmack dieses Kuchens gehört für mich ein gesüßter Trinkkakao einer bestimmten Marke (B*nco) und ein österreichischer Inländer-Rum hinein. Nimmt man einen ungesüßten Kakao für den Kuchen, dann bitte die Zuckermenge ein wenig erhöhen!
(Werbung unverlinkt, unaufgefordert, unentgeltlich)



Kakaoguglhupf 
für 1 "normal" große Guglhupf-Form

220 g weiche Butter
200 g Zucker
3 Eier (L)
1 Prise Salz
250 g Weizenmehl
50 g gesüßter Trinkkakao
1/2 P. Backpulver
1/8 l Milch
4 EL Inländer-Rum 

Das Backrohr auf 180°C vorheizen und eine Guglhupf-Form vorbereiten (befetten und bemehlen bzw. bebröseln).
Eiklar mit Prise Salz zu Schnee schlagen.
Butter mit Zucker und den Eidottern sehr gut schaumig schlagen, dann das mit Kakao und Backpulver vermischte Mehl einrühren sowie Milch und Rum.
45 Minuten (bis 1 Stunde, je nach Ofen) backen, Stäbchenprobe machen.



Diese alte Tortenplatte hat meine Oma Leopoldine zur Hochzeit im Jahr 1925 bekommen. Unter der Glasplatte ist das Muster am Rand ein bisschen beschädigt, aber sonst noch einwandfrei. Der Tortenteller wird nicht oft verwendet, so wie die meisten alten Stücke...
Marie-Luise Küchenliebelei zeigt übrigens regelmäßig ihr schönstes Geschirr - wäre doch schön als Dauerevent mit Verlinkung...


Einen schönen Restsonntag wünsche ich!