Montag, 18. Februar 2019

"Das Nusszweiglein" und Haselnusskipferl


Andrea Zitronenfalterin fragte nach unseren Lieblingsmärchen in der Kindheit. "Mein" Märchen hatte ich schon fast vergessen, aber eine ausgiebige Recherche im www brachte mich wieder darauf. Es ist...

Das Nusszweiglein von Ludwig Bechstein. Worum es da ging, habe ich ganz unten nacherzählt. Ich weiß noch, dass ich dieses Märchen als Kind sehr gern hatte. Womöglich, ich bin nicht sicher, besaß ich sogar eine Schallplatte davon, wahrscheinlich unzählige Male gehört...


Dieses Märchen stammt von Ludwig Bechstein (1801-1860), von den Brüdern Grimm gibt es eines mit ähnlichen Motiven. Märchen waren ursprünglich aber nichts für Kinder, erst die "Grimms" im 19. Jahrhundert begannen. sie für Kinder zum Vorlesen zu adaptieren. Sicher seit vorgeschichtlicher Zeit wurden tatsächliche Begebenheiten, Geschichten und Mythen mündlich weiter erzählt. Diese Märchen oder Sagen hatten wohl hauptsächlich eine soziale Funktion als Weitergabe von Erfahrungen, Botschaften, "Lebensweisheiten" und voll von Symbolen und bildhafter Sprache...


Ein (grüner) Haselnusszweig gibt "meinem" Märchen den Namen. Der Haselstrauch ist seit Urzeiten eine wichtige Nutz- und Schutzpflanze. Für die Kelten war er ein besonderer mythischer Baum, ähnlich wie Holunder. Aber für das Monatsevent bei Andrea steuere ich etwas Kulinarisches mit Haselnüssen bei. 

Dass junge Haselnussblätter essbar sind, habe ich hier gezeigt. 

Die Haselnüsse für mein heutiges süßes Rezept stammen aus Biolandwirtschaft aus dem Waldviertel, nördliches Niederösterreich. Sie stecken im Kipferl-Teig und in der Fülle und sollten vor dem Mahlen geröstet werden. Das gibt ein tolles Aroma - bitte nicht darauf verzichten!


Haselnusskipferl (Hörnchen)
(für ca. 16 - 18 Kipferl)

Teig:
250 g glattes Dinkelmehl
90 g Haselnüsse, fein gerieben
90 g Staubzucker 
Vanille
1 Prise Salz
½ Bio Zitrone, die abgeriebene Schale (Saft für die Fülle)
1 P. Weinstein Backpulver
200 g Topfen / Quark
2 Eier (M)

Fülle:
ca. 90 - 100 g Haselnüsse, fein bzw. teilweise grob gerieben
1 EL Staubzucker
optional 1 - 2 EL Rum nach Belieben
etwas Zitronensaft
ca. 3 EL Milch, löffelweise nach Bedarf

Zubereitung:
Mit den Haselnüssen beginnen.

Benötigt werden ca. 200 g Haselnüsse (also ein bisschen mehr, als in Teig und Fülle kommen). Sie werden in einer Pfanne unter Rühren trocken und braun geröstet. Die Schale löst sich dabei bereits ein bisschen. Die Nüsse werden dann in ein Geschirrtuch gegeben und die Schale abgerieben, so gut es eben geht. Auskühlen lassen und fein reiben (ein kleiner Teil kann auch grob bleiben, der kommt dann in die Fülle).
Die geriebenen Haselnüsse nochmals abwiegen für Teig bzw. Fülle.

Für den Teig die trockenen und feuchten Zutaten jeweils vermischen und dann einen geschmeidigen Teig kneten. Anfangs ist er trocken, aber das wird...
Für die Fülle alle Zutaten verrühren, dabei die Milch aber nur löffelweise dazugeben, bis die Konsistenz passt.

Den Teig auf einer bemehlten Fläche nicht allzu dünn auswalken und Dreiecke schneiden (oder radeln wie ich). Jeweils ein Löfferl Fülle auf die breite Seite geben und zum Spitz hin einrollen.

Die Kipferl auf ein Backblech + Backpapier mit etwas Abstand zueinander legen (sie gehen noch auf). Mit etwas Öl oder Ei bestreichen und im vorgeheizten Rohr bei 180°C etwa 15 - 20 Minuten je nach Ofen goldbraun backen. Auskühlen lassen und anzuckern.

Tipp: am nächsten Tag toasten oder aufbacken. Einfrieren kann man sie auch gut, d.h. am besten gleich mehr machen.

Dieser noch winterliche Haselnussstrauch steht am Rand eines wilden verwunschenen (und nicht zugänglichen) Schlossparks in meiner Wohngegend - aber das ist eine andere Geschichte.

~ ~ ~

Das Nusszweiglein von Ludwig Bechstein 
kurz nacherzählt aus dem Deutschen Märchenbuch von 1847 (unverlinkt, unaufgefordert, unentgeltlich, im www zu finden):

Ein Kaufmann geht auf Reisen und möchte seinen Töchtern Geschenke mitbringen. Die jüngste wünscht sich keinen Schmuck, sondern ein Nusszweiglein und gerade ein solches ist lang nicht aufzutreiben. Erst in einem dunklen Wald findet der Kaufmann einen grünen Nusszweig mit goldenen Nüssen, bricht ihn ab und steht plötzlich einem furchtbaren Bären gegenüber, der ihn fressen will. Der Kaufmann kann sich nur mit einem Versprechen retten - das erste, was ihm beim Heimkommen begegnet, soll dem Bären gehören. Leider läuft dem Kaufmann zu Hause nicht der Hund, sondern die jüngste Tochter entgegen.
Nach einiger Zeit erscheint der furchterregende Bär und fordert die Erfüllung des Versprechens. Beim ersten Mal wird die "Hirtentochter" dem Bären mitgegeben, doch der erkennt den Betrug (und sie kann fliehen). Schließlich muss die jüngste Tochter des Kaufmannes mit dem Bären mitfahren. Der Bär verlangt von ihr:

"Graue mich, grabble mich,
Hinter den Ohren, zart und fein,
Oder ich fress' Dich mit Haut und Bein!"

Und das Mädchen grabbelte, und so sanft, daß es ihm baß behagte, und daß sein furchtbarer Bärenblick freundlich wurde, so daß allmählig die arme Bärenbraut einiges Vertrauen zu ihm gewann. 

Sie kommen in einen dunklen Wald und zu einer Höhle. Der Bär lässt das Mädchen durch eine Eisentür hineingehen. Im ersten Zimmer ist schreckliches Getier und giftiges Gewürm und der Bär sagt zu ihr:

"Seh' Dich nicht um!
Nicht rechts, nicht links;
Gerade zu, so hast Du Ruh."


Das Mädchen geht zitternd vor Angst, aber ohne um sich zu blicken, durch insgesamt 11 Zimmer, die alle mit den scheußlichsten Kreaturen, wie Lindwürmer, Basilisken, Drachen, angefüllt sind.
Im 12. Zimmer aber erstrahlt plötzlich glänzendes Licht, erschallt liebliche Musik und fröhliche Jubelrufe. Plötzlich ertönt ein furchtbarer Donnerschlag und ein prächtiges Schloss mit Dienerschaft ersteht vor dem Mädchen. Der Bär ist ein schöner junger Mann und der Fürst des Schlosses. Er drückt seine Braut voll Dankbarkeit an sich. Später wird auch ihre Familie ins Schloss geholt. Die Fürstin trägt das Nusszweiglein immerzu und es verwelkt nie.
Und wenn sie nicht gestorben sind....


Die 12 Zimmer stehen für unseren Sonnenkalender mit den 12 Monaten (im Gegensatz zum vor-patriarchalen Mondkalender mit 13 Mondzyklen im Jahr). Es geht um eine Initiation und wie das Mädchen zur Frau oder Braut wird. Ein Nusszweig bedeutet unter anderem Fruchtbarkeit und Glück. Der Bär gehört zu den mächtigsten schamanischen Krafttieren.... Man könnte es auch so sehen, dass ein ungebundenes Mädchen, das frei aufwächst, in eine abhängige, patriarchale Lebensweise gezwungen wird. 
~ ~ ~

Kanntet ihr dieses Märchen?
Ich freue mich über jeden Kommentar!
Andrea, ganz lieben Dank für die schöne Anregung mit diesem Monatsmotto! Ich hätte mich sonst sicher jetzt nicht mit Märchen beschäftigt.



Kommentare:

  1. Zunächst dachte ich angesichts des Titels, das Märchen wäre mir unbekannt, doch deine Nacherzählung holte es sogleich aus meiner Erinnerung hervor. Ja, das Märchen habe ich als Kind auch sehr gern gehört und später als Mutter sehr gern vorgelesen.
    Ich bin ganz begeistert, dass Du etwas Kulinarisches hinzugesteuert hast. Das Gebäck sieht so köstlich aus und wird bestimmt förmlich auf der Zunge zergehen. Wahrlich märchenhaft.
    Danke! Das war genau das, was in der Reihe wirklich noch fehlte!
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ich konnte mich nur mehr an den Haselnusszweig und dunklen Wald erinnern, später erst an die einprägsamen Sprüche des Bären... die Erinnerungen sind nur verschüttet und kommen wieder hervor, wenn man sich damit beschäftigt! Danke nochmals für das Motto, es freut mich, dass dir mein kulinarischer Beitrag gefällt, lg

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  2. Mmmmh, die sehen lecker aus, deine Kipferl! Allerdings bekomme ich nur schon vom Anschauen der Haselnussstrauchbilder fürchterlichen Heuschnupfen!!!!
    Hatschi!
    Liebe Grüße Andrea

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    1. Mittlerweile stehen bei uns die Haselsträucher in voller Blüte, schön zum Anschauen... Du kannst wahrscheinlich auch kein Haselnussgebäck essen?
      lg

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  3. Sehr schön, deine Kipferl!
    Das Märchen kenne ich mit einer Lerche (statt Haselnusszweig) und einem Löwen. Wahrscheinlich gibt es mehrere Varianten dieser Erzählung. Werde mal mein Märchenbuch hervorkramen!

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    1. Wahrscheinlich kennst du das Märchen von den Brüdern Grimm, bei denen st es ein bisschen anders als bei Bechstein.
      lg nach Fernost

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  4. Liebe Friedrike,
    was für ein schönes Märchen! Dazu läßt sich ds leckere Gebäck schön knuspner :O) Ich danek Dir für das schöne Rezept!
    Ich wünsche Dir einen wundervollen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  5. Liebe Friederike, wunderschön das Märchen und ich kannte es noch nicht! Erinnert mich daran. dass ich mal auf Spuren von den Brüder Grimm wandern wollte vielleicht sollte ich das je endlich in Angriff nehmen. Tja die Kipferl sind so verführerisch, da nehme ich gerne das Rezept mit. DANKE. Liebe Grüße Ingrid

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    1. die nussigen Kipferl waren bei uns schnell weg, die schmeckten uns wirklich gut!! lg

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