Freitag, 18. Oktober 2013

Lesehunger mit himmlischen Träumen und Pfirsichtaschen von Vianne Rocher


Shermins Lesehunger-Dauerevent kennt ihr ja schon!
Und habt ihr "Chocolat" gesehen oder das Buch gelesen? Dann kennt ihr auch Vianne Rocher mit ihren Schokopralinen!

Shermin hat kürzlich welche hergestellt (hier) und wieder an den entzückenden Film erinnert - lang ist´s her und wart ihr damals auch "verzaubert" von der Geschichte? (Johnny Depp war auch noch eine Spur jünger!). Das Buch "Chocolat" weicht vom Film ein bisschen ab, denn dort ist es der Pfarrer (Monsieur le Curé), der Vianne das Leben schwer macht, aber ich fand es damals schon stimmiger und es hat mir auch gut gefallen.

Mittlerweile gibt es 2 Fortsetzungen von "Chocolat": "Himmlische Wunder" und "Himmlische Träume" von Joanne Harris. 
Sie sind bis jetzt irgendwie an mir "vorbeigegangen", aber nun habe ich das 3. Buch gelesen, das wieder im selben Ort Lansquenet spielt. Im englischen Original heißt es "Peaches for Monsieur le Curé", also Pfirsiche für den Pfarrer und das finde ich treffender als den nichtssagenden deutschen Titel "Himmlische Träume".


Vianne Rocher kehrt 8 Jahre später im Hochsommer an den (fiktiven) Ort Lansquenet am Fluss Tannes zurück und findet ihn verändert vor. Sie wohnt im Haus der verstorbenen Armande (die im Film so hinreißend von Judy Dench verkörpert wurde) und im Garten steht ein großer Baum mit den titelgebenden, reifen Pfirsichen. Mit dem Pfarrer (Monsieur le Curé) versteht sich Vianne und ihre Freundin Joséphine nun gar nicht schlecht. Am Fluss hat sich eine muslimische Siedlung mit Einwanderern aus Marokko ausgebreitet und Vianne freundet sich rasch mit ein paar maghrebinischen Frauen und Kindern an. Aber auch für Spannung ist gesorgt und der Wind beginnt zu wehen... 

(Vianne:)

Als ich am Tannes entlang wieder nach Hause ging, empfand ich die nächtliche Stille fast als bedrohlich. Grillen und Vögel waren verstummt, und selbst die Frösche quakten nicht mehr.

An solchen Abenden, sagen die Leute hier, fängt der Autan an zu wehen, le vent des fous, der Wind der Verrückten, der an den Fenstern rüttelt, das Getreide vertrocknen lässt und die Menschen am Schlafen hindert. Der Weiße Autan bringt trockene Hitze, der Schwarze Autan bringt Regen und Gewitter. Aber egal, welcher von beiden weht – auf jeden Fall stehen Veränderungen bevor.

Was will ich in Lansquenet? Wieder stellte ich mir diese Frage. Hat der Autan mich hierhergebracht? Und welcher wird es diesmal sein? Der Weiße Autan, der uns wach hält, oder der Schwarze, der uns in den Wahnsinn treibt?

Schön finde ich die Beschreibung und Auswirkungen der Winde. Dass ein Wind einen bestimmten Namen hat, ist bei uns gar nicht üblich, nur die Himmelsrichtung gibt ihm den Namen. Den Autan-Wind gibt es tatsächlich.


Immer wieder wird heiße Schokolade mit allen möglichen Gewürzen gekocht (Kardamom, Lavendel, Baldrian..) und natürlich stellt Vianne auch wieder Schokoladepralinen her und verschenkt sie. Von den reifen Pfirsichen im Garten kocht sie Unmengen an Marmelade und bäckt dann Pfirsichtaschen:  

(Vianne:)

„Komm zu mir“, schlug ich Josephine vor. „Wir trinken heiße Schokolade und reden. Hier können wir sowieso nichts tun.“

Also gingen wir zurück zu Armandes Haus. Ich kochte Schokolade mit Kardamom und schob ein Blech mit Pfirsichtaschen in den Herd, die nur 20 Minuten brauchten. Dafür verwendete ich die frisch eingekochte Marmelade und etwas Schlagsahne und Armagnac.

[...]

Ich kochte dann noch mehr heiße Schokolade, mit extra viel Zucker, Marshmallows und Sahne, und bald darauf saßen wir alle um Armandes zerkratzten Küchentisch herum, aßen, tranken und lachten, als würden wir schon immer hier wohnen und nicht erst seit zwei Wochen. 



Pfirsichtascherl 

Ich hatte noch Pfirsichmarmelade vom Vorjahr zu Hause und wollte diese Täschchen ausprobieren. Man braucht eigentlich kein Rezept, einfach nur:

  • Blätterteig oder noch besser Küchenschabes Topfenblätterteig ausrollen und in Quadrate schneiden,
  • zum Füllen: Pfirsichmarmelade parfümiert mit gutem Weinbrand und wer mag pro Täschchen ein Stückchen weiße Schokolade,
  • zuklappen, mit Ei betreichen und bei 180°C nicht lange backen, auskühlen lassen, so schmecken sie besser, 
  • mit Schlagobers/Sahne vielleicht obenauf behübschen (eher nicht in die Fülle geben)

mit Marmelade und weißer Schokolade füllen

gut, aber optisch nicht schön mit (fertigem) Blätterteig

diesmal mit (fertigem) Plunderteig

(das kleine Mädchen Maya zu ihrem Großvater:)

„Wir haben Pfirsichtaschen gebacken. Zaubertaschen, die dich gesund machen.“


Naja, "Zaubertaschen" waren meine nicht... aber trotzdem ganz gut...
Ich würde vielleicht eine intensivere Marmelade nehmen oder sie mischen, meine Pfirsiche waren zu mild. Vielleicht einen anderen Teig, aber welchen?

Nachtrag: Ich bin alles andere als zufrieden mit meinen Pfirsichtaschen, ich werde sie demnächst mit einem ganz anderen Teig backen (ich habe schon eine konkrete Idee) und verlinke es dann :-) 




Fazit zum Buch:
Das 3. Buch kommt an den Zauber von "Chocolat" nicht heran, ist aber trotzdem sehr nett zu lesen! Und es ist irgendwie ein Wiedersehen/Lesen mit alten Bekannten. 
Der Schluss ist etwas zu dramatisch geraten. 
Es werden auch Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen in der muslimischen Gesellschaft thematisiert. Das finde ich grundsätzlich sehr wichtig und ich kann darüber auch richtig zornig werden. Aber ich finde, die Autorin hätte sich entscheiden sollen, entweder ein Märchen wie "Chocolat" zu schreiben, oder die ernsten Themen in ein eigenständiges neues Werk verpacken.


Der Beitrag ist für Shermins Lesehunger-Dauerevent. 


Edit:
Ich habe Roux (im Film ein sinnlicher Johnny Depp) gar nicht erwähnt, es gibt ihn noch, aber er kommt nicht mit Vianne nach Lansquenet mit....


Kommentare:

  1. Vielen Dank für die kleine, aber interessante Leseprobe!
    Ich wünsch Dir ein wunderschönes sonniges Herbstwochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. dir auch ein schönes sonniges Wochenende, lg

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  2. was für eine überraschung! schön, dass du mitmachst, unbekannterweise ;) zum verlinken müsstest du deinen blick vorher hier in deinem blog posten. über deine blicke würde ich mir sehr freuen ...

    liebe grüße . tabea

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  3. Solche Taschen mache ich am liebsten mit Topfenteig. Erdbeer- oder Marillenmarmelade ist vielleicht geschmacklich intensiver.
    Lieben Gruß
    Lemmie

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    1. ja, ich glaube auch, dass ein Topfen-(Mürb-) Teig am besten wäre! Ich bleibe dran, des ich hab jetzt den Ehrgeiz, diese Taschen hinzukriegen ;-)

      lg

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  4. Liebe Friederike,
    entschuldige bitte, ich komme gerade zu nix, habe schon vor Wochen natürlich deinen Pfirsichtascherlartikel verschlungen, aber ganz vergessen zu kommentieren. Und dabei bist du so eine vorbildliche Lesehungrige. Verzeih. :(

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