Freitag, 3. Juli 2026

Weinblätter gefüllt und eingelegt

 

Dauerblogevent


Der Libanon ist die Juli-Destination von Volkers "kulinarischer Weltreise" und wie jeden Monat geht es darum, sich einem Land auch kulinarisch zu nähern. Ich habe eine zeitlang bestes Olivenöl von Bauern aus dem Libanon bezogen, aber durch die Kriegswirren im Nahen Osten ist meine Bezugsquelle sozusagen versiegt...




Diesmal habe ich mich für libanesische gefüllte Weinblätter (Warak Enab) entschieden, die ein Vorspeisen-Klassiker im gesamten östlichen Mittelmeerraum und Nahen Osten sind. Sie werden im Libanon traditionellerweise, anders als die griechische Variante, nicht nur mit Reis und frischen Kräutern, sondern auch mit Tomaten gefüllt. Sehr oft auch mit Fleisch.


In Videos kann man fasziniert die Fingerfertigkeit von Frauen bewundern, mit der unzählige Weinblätter mit Fülle zu den schönsten und denkbar dünnsten Röllchen gedreht werden. Da kann ich nicht mithalten, daher sind meine gefüllten Gartenweinblätter nicht authentisch, haben uns aber als Hauptspeise an einem heißen Tag außerordentlich gut geschmeckt!



Wer Weinreben im Garten hat wie ich, sitzt an der "Quelle" für gefüllte Weinblätter und kann sie auch selbst in Salzlake konservieren. Weinblätter sind zwar im späten Frühling am feinsten, aber auch jetzt Anfang Juli können zarte Blätter noch gepflückt werden, wenn sie noch nicht zu ledrig sind - im eigenen Garten oder wenn man die Besitzer fragt! 



Bitte keinesfalls kommerzielle Weingärten plündern, das ist Diebstahl, schädigt die Pflanzen und die Blätter sind mit Sicherheit gespritzt...

 


Weinblätter vorbereiten bzw. in Salzlake einlegen
  • Weinblätter: zarte handtellergroße und einwandfreie Blätter vom vorderen Drittel der Ranke pflücken, am besten an einem schönen Vormittag, wenn der Tau bereits abgetrocknet ist. Wenn sich die Blätter zu ledrig angreifen, sind sie nicht mehr gut geeignet.
  • Die Stängel mit der (Garten-) Schere abschneiden. Die Blätter kurz in kochendem Wasser blanchieren, in Eiswasser abschrecken und ausgebreitet auf einem Tuch abtropfen lassen. 
Jetzt können sie gefüllt werden oder man konserviert sie:
  • Salzlake: eine 6 % Salzlake kochen, d.h. auf 1 Liter Wasser kommen 60 g Salz (Grundrezept). Einmal aufkochen lassen und heiß verwenden.
  • Gläser: möglichst breite, sterilisierte Gläser bereit stellen.
  • Die Blätter übereinander in ein Glas legen, sie können auch eingerollt werden. Mit der heißen Salzlake begießen, dass alle Blätter bedeckt sind. Verschließen und kühl lagern. Die eingelegten Weinblätter sollten sich monatelang halten, ich bin gespannt.




Warak Enab - meine gefüllten libanesischen Weinblätter

Zutaten für ca. 2 Pers. als Hauptspeise:

ca. 20 vorbereitete Weinblätter (siehe oben) oder 1 Glas handelsübliche eingelegte Weinblätter

Fülle:
90 g Rundkornreis oder Risottoreis
Olivenöl
1 kleine Zwiebel, fein geschnitten
1 Knoblauchzehe, zerdrückt
1-2 Tomaten, in kleine Würfel geschnitten
1 TL Tomatenmark
Saft von 1/2 Zitrone
Salz
Pfeffer
1 MSp. gemahlener Zimt
Paprikapulver
Kreuzkümmel
frische Petersilie und Minze, gehackt

Sud:
ca. 500 ml Wasser
etwas Salz
Saft von 1/2 Zitrone
1 Fingerhut Granatapfelsirup
---------
1 EL Olivenöl
2 mittelgroße Kartoffeln
1 Karotte

Zubereitung:

Eingelegte Weinblätter aus dem Glas gut abspülen, vor allem gekaufte Blätter, um die Salzlake zu entfernen.

Für die Fülle wird der Reis normalerweise nur in warmem Wasser eingeweicht (für ca. 20 Minuten) und mit allen Zutaten vermischt. Ich habe den Reis mit den Zwiebeln etc. halb vorgegart, um sicher zu gehen, dass er schlussendlich gar ist. 

Zwiebel in Öl anlaufen lassen, Tomatenmark beifügen. Den Reis, die Tomatenwürferl und Knoblauch dazu geben und langsam mit ein wenig Wasser nach Bedarf halb gar köcheln. Die Flüssigkeit kontrollieren, sie soll zum Schluss aufgesogen sein. Dann die restlichen Zutaten einmengen und überkühlen lassen.

Jeweils 1 Weinblatt (oder 2 überlappend, wenn sie klein sind) mit der glatten "schönen" Seite nach unten und dem Stielansatz nach oben auf einem Brett ausbreiten. Etwa 1 - 2 Teelöffel Fülle auftragen, die Seiten einschlagen und straff aufrollen, so gut es geht. 


In einem Topf ein wenig Öl verteilen. Die (rohen) Kartoffeln schälen und wie die Karotte in Scheiben schneiden, in den Topf legen und ein wenig salzen. Die Röllchen dicht aneinander darauf legen, siehe Foto.

Alle Zutaten für den Sud bis ------ verrühren und über die Röllchen gießen, sodass sie etwa zur Hälfte bis 2/3 bedeckt sind. Mit einem hitzebeständigen Teller beschweren, sonst rollen sie sich beim Kochen auf. Bei niedriger Hitze zugedeckt am Herd etwa 30 - 45 Minuten sanft köcheln lassen.

Die Weinblätter warm als Hauptspeise oder lauwarm / kalt wie im Original als Vorspeise bzw. Teil einer Vorspeisenplatte servieren.



Sehr gut! Wir haben sie lauwarm und nicht-authentisch als Hauptspeise mit den Kartoffeln genossen. Da der Reis in der Fülle bereits vorgegart und nicht mehr roh ist, wird beim Kochen nicht der ganze Sud aufgesogen. Dieser kann über das fertige Gericht geträufelt werden und rundet es super ab! Nächstes Mal würde ich trotzdem gerne ausprobieren, wie es mit ungegartem Reis funktioniert.

Die Fülle mit deutlich Zitronensaft, den Tomaten und Kräutern hat mir besonders gut gefallen, die wird es auch für andere gefüllte Gemüsesorten wieder geben!



Linkliste:

(wird bis Monatsende lfd. ergänzt)



Britta von Brittas Kochbuch mit Fattoush - Brotsalat (فتوش)aus dem Libanon 
Susanne von magentratzerl mit Shorba Hamrah






14 Kommentare:

  1. Hallo Friederike,
    oft bekommt man gefüllte Weinblätter aus der Dose, die nicht sonderlich gut schmecken. Umso besser, wenn man Weinblätter, Geduld und Geschicklichkeit investiert. An Weinblättern hapert es bei mir; bin gespannt, wie Deine sich halten.
    Das Rezept liest sich sehr gut, auch die Gewürze. Ich mag ja Zimt und Kreuzkümmel.
    Liebe Grüße
    Barbara

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    1. Ich bin bei gekauften Blättern auch skeptisch, vielleicht haben mir deshalb früher die gefüllten Weinblätter in Restaurants in Wien nicht wirklich geschmeckt...

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  2. Liebe Friederike, ich kenne nur die griechische Variante, und die mag ich gerne. Die ersten gefüllten Weinblätter hat mein Bruder aus Griechenland mitgebracht, die schmeckten mir besonders gut - besser als alle, die ich später je bekommen habe. Aber selbermachen ist natürlich auch eine Möglichkeit, überhaupt, wenn man sie sogar mit Fleisch füllen kann - da spielt vermutlich selbst Herr Rostrose mit 😉. Und wir HABEN Weinreben im Garten. Wobei ich wohl besser auf nächstes Jahr warte...
    Alles Liebe, 🤗 Traude

    PS: Was die Murals betrifft, über die du mir geschrieben hast, warum es bei uns nicht mehr davon gibt: Ja, das finde ich auch schade. Aber in Wien sind wieder ein paar dazu gekommen, diesmal in Döbling... Es WIRD also, langsam aber sicher...

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    1. Ich werde hoffentlich nächstes Jahr früher an Weinblätter denken, nicht erst, wenn es fast schon zu spät fürs Pflücken ist... lg

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  3. Oh, sehen die lecker aus! Ich kenne die türkischen und griechischen gefüllten Weinblätter. Das libanesische Rezept schmeckt bestimmt noch besser, da abwechslungsreicher. Besonders gut gefällt mir an dieser Reihe, dass man nicht nur über die Speisen und Spezialitäten sondern auch ein wenig über die Länder selbst erfährt. Und die jeweilige Küche ist ein wichtiger Teil einer Kultur, wie ich finde :-)))
    Liebe Grüße Maren

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    1. Für mich gehört auch die Küche dazu, wenn man sich einem anderen Land nähert, ob virtuell oder tatsächlich. Und gerne erinnert man sich doch (ich zumindest), was man dort gegessen hat... lg

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  4. Ich liebe gefüllte Weinblätter und ich finde, deine sehen prima aus! Weinreben habe ich nicht mehr, die haben mich nicht überlebt, leider. Ich kaufe dann eben die eingelegten Blätter aus dem türkischen Laden und fülle sie.

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    1. Sehr schade, dass dein Weinstock eingegangen ist, vielleicht versuchst du es mit einer neuen Pflanze nocheinmal...

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  5. Ich habe das auch schon mal gemacht mit Weinblättern aus dem Garten. Das Falten ging verblüffend einfach und sie schmecken sensationell.
    VG
    Elke

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    1. Ich finde auch, dass selbst gepflückte Weinblätter besser schmecken als gekaufte eingelegte!

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  6. Liebe Friederike,
    einen eigenen Weinberg zu besitzen, ist schon etwas Besonderes. Ich komme dich mal auf ein Gläschen selbst gekelterten Wein besuchen. Dazu gibt es Meze mit gefüllten Weinblättern und ich bringe weitere Kleinigkeiten dazu! Herzliche Grüße,
    Regina

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    1. Weinberg habe ich keinen, nur ein paar Weinstöcke im Garten und meist fressen mir sowieso die Vögel die Trauben weg...

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  7. Dein Wein sieht ja wunderbar aus! Klimatisch sitze ich leider in der falschen Gegend, aber deine gefüllten Weinblattröllchen finde ich schon sehr verlockend :-)

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    1. Vielleicht an einer südseitigen Wand? Auch in meiner Gegend gibt es keinen Weinbau, aber die Weinreben leben im Garten doch schon viele Jahre!

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