Sonntag, 1. August 2021

Kukuruz und ein bunter Sommersalat

 

Kukuruz...
heißt eigentlich bei uns im Osten Österreichs der Mais (Zea mays, Pflanzenfamilie der Süßgräser, ursprünglich aus Mexiko und Peru, von Kolumbus nach Europa gebracht). Aber wer sagt heutzutage noch "Kukuruz"... verschwindet das Wort? 😞

"Kruzitürken" schimpfte früher mein Vater manchmal, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Auch diesen Kraftausdruck habe ich schon lange nicht mehr gehört (und nicht nur, weil mein Vater seit 40 Jahren nicht mehr ist). 


Die Kuruzen...
waren in vergangenen Jahrhunderten eine bewaffnete Bauerngemeinschaft aus Ungarn und haben genauso wie die Türken bzw. Osmanen der Habsburger Monarchie zugesetzt. Aber gerade aus diesen Gebieten im Südosten kam einst der Mais über Umwege zu uns in den Ostalpenraum, er wurde lang abgelehnt und als "Kukuruz", "Türken" oder sogar als "gelbe Gefahr" bezeichnet. 


Heutzutage...
spielt der Mais in der Futter- und Nahrungsmittelindustrie eine große Rolle und Maisstärke findet sich in vielen Produkten, wie Kunststoffen, Klebstoffen, Verpackungsmaterialien...
Ökologisch gesehen finde ich intensiven Maisanbau als Problem. Mais benötigt hohe Stickstoffdüngung, die Pflanze kann selbst viel Stickstoff aufnehmen, der aber "irgendwann" wieder in die Umwelt abgegeben wird. Mais gehört zu den Ackerbaukulturen mit den höchsten Nitratgehalten im Boden und im Grundwasser. Die Befürworter meinen (wie üblich), es wäre alles nicht so schlimm und die Ökobilanz von Mais besser als jene von Raps oder Weizen.
Wie immer bleiben viele Fragen offen und als einzelne kleine Konsumentin kann man sowieso immer nur das eine machen -- nämlich sich zu informieren, bewusst einzukaufen und nachhaltig zu leben!

Dieser Zuckermais aus dem Burgenland ist zwar nicht bio, aber aus regionalem Anbau mit kurzen Transportwegen. Könnte auf der Verpackung nicht (wenigstens zusätzlich) "Kukuruz" stehen? Diesen Ausdruck hört man immer seltener und ich habe das Gefühl, er verschwindet langsam, still und leise. 

(Werbung für "Da komm´ich her", nicht gesponsert!)


Susi Turbohausfrau benutzte ihn noch (zB. für ihre kalte Kukuruzsuppe) und auch Frau Ziii, die aber schon lang nicht mehr bloggt. Von ihr gibt es ebenfalls ein wunderbares Rezept für eine Kukuruzsuppe, die es bei uns mindestens 1x im Sommer gibt. Sie schmeckt auch "veganisiert" mit Kokosmilch statt Schlagobers sehr gut und mit Schnittlauch statt Dill (siehe Foto oben)!

Empfehlung für meine Suppe mit Biss frei nach Frau Ziii, ein echtes Highlight!



Ein weiteres Kukuruz-Highlight habe ich nun mit diesem bunten Salat entdeckt --


Kukuruzsalat mit Marillen und Senfdressing vegan

(für 1-2 Personen)

1 Kukuruz-Kolben / Mais
Salzwasser zum Kochen
Sonnenblumenöl zum Braten

1/2 Salatgurke
einige Paradeiser / Tomaten
einige feste Marillen / Aprikosen, ersatzweise Nektarinen oder Pfirsiche 
Basilikum
optional einige Sonnenblumenkerne

Senfdressing:
1 TL Senf
reichlich gutes Sonnenblumenöl
Balsamico
Salz, Pfeffer

  • Den Maiskolben in Salzwasser weichkochen und abgetrocknet in wenig Öl rundherum anbraten (alternativ auf den Grill legen). Die Körner mit einem scharfen Messer herunter schneiden.
  • Die Salatgurke schälen oder nicht (ich), entkernen und klein schneiden. Die Paradeiser je nach Größe vierteln oder achteln. Die Marillen entkernen und in schmale Spalten schneiden.
  • Aus allen Zutaten für das Dressing mit einem Schneebesen ein molliges Dressing rühren, wenn nötig mit ein wenig Wasser verdünnen.
  • Alles vermischen und mit Basilikumblättchen und ggf. Sonnenblumenkernen bestreuen.



Ein Gedicht! Sehr harmonisch!
Mit eher säuerlichen Früchten schmeckt mir der Salat am besten, sie bilden einen schönen Gegenpart zum milden Kukuruz und zum Dressing. Und nicht auf das Basilikum verzichten! 



Zu meinen kulinarischen Kindheitserinnerungen gehört auch der junge knackige Kukuruz - frisch gepflückt, von den Hüllblättern und den Maishaaren befreit und die Körner mitsamt dem noch zarten Kolben geknabbert! Köstlich... und mein Onkel Josef vom Manhartsberg in Niederösterreich freute sich früher immer, wenn er uns seine Felder (und Weingärten) zeigen konnte und uns die Kostproben schmeckten! 



Auch heute noch ist der junge Mais ein besonderer Genuss für mich und ich habe meinen Garten-Kukuruz nur aus diesem Grund angebaut 😋 



Habt ihr auch Mais im Garten?



14 Kommentare:

  1. Hihi, erst heute hab ich mir mit meinen Jungs einen jungen Kolben vom Kukuruz geschnappt, das ist ja so gut! Und wir sagen Kukuruz immer noch, aber es klingt eher so: Gugaruz.
    Alles Liebe!

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  2. Der Salat lacht mich grad arg an. Mal überlegen, ob ich den nicht unseren Gästen zum Grillen vorsetzen werde.
    Danke fürs Verlinken.❤️

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  3. Ich mag weder Mais noch Kukuruz, ist einfach nie in meiner Essensbiographie aufgetaucht. Würde ich je nach Südamerika kommen, täten mir sicher die tortillas schmecken. Aber der Futtermais ist eine ökologische Landplage.

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    1. ja, eine Landplage! Wenn der Mais wenigstens verfüttert würde, aber oft landet er in Biomassekraftwerken...

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  4. Wir haben als Kinder im Waldviertel den jungen “Gugaruz“ geklaut, schmeckte natürlich sehr gut! Ich spar mir übrigens das Kochen und Brate. Die (Bio)Körnderln aus dem Glas abtropfen lassen, in bissl Olivenöl anbraten - selber Effekt, große Zeitersparnis. Schmeckt dann auch gut zu Feta und rotem Zwiebel.

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    1. Ja, Kukuruz aus dem Glas finde ich auch eine gute Alternative, nur keine Konservendosen, die mag ich nicht.

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  5. Liebe Friederike,
    als Kind dachte ich, es heiß Gugarutz, weil mein Vater ihn so ausgesprochen hat ;-)) Vielleicht stirbt der Ausdruck Kukuruz u.a. auch wegen seiner Herkunft? Heute wird schließlich alles auf politsch-korrekt umbenannt und Kruzitürken "darf" man ja auch nicht mehr wirklich sagen ;-)) Außerdem ist "Mais" kürzer, da geht's dann so wie bei Pa-ra-dei-sern (11 Buchstaben, 4 Silben) und To-ma-ten (7 Buchstaben, 3 Silben) - in Zeiten wie diesen wird einfach jeder Buchstabe gespart und die Kinder sehen ja auch sehr viel TV aus dem Nachbarland, da verlernen sie die österreichischen Begriffe. Ich find's aber schön, dass du Kukuruz geschrieben hast - und mit deinen Rezepten triffst du in jedem Fall Herrn Rostroses Geschmack, denn er behauptet von sich, dass er in seinem früheren Leben ein Hendl war, weil er so gerne Mais - äh Kukuruz - ißt. Angebaut haben wir ihn auch einmal, vor Jahren, aber der Ernteerfolg war nicht so überzeugend, deshalb machen wir es wie du und kaufen ihn, wenn es ihn bei uns aus österreichischer Landwirtschaft gibt.
    Alles Liebe, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2021/08/ruckblick-auf-unseren-juli-2021.html

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    1. Die Medien haben einen großen Einfluss auf unsere Sprache, leider...
      Ein Hendl im früheren Leben, das finde ich richtig süß!

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  6. Liebe Friederike, vielen Dank für deinen netten Kommentar bei mir am Blog!
    Oh ja bei uns sagt man auch Kukeruz zu den Mais. ich habe hier angrenzend an mein Grundstück ein sehr großes Kukeruzfeld.Die Versuchung ist groß ein paar Kukeruz Kolben vom Feld zu holen,leider wird der Kukeruz aber mit einigen Spritzmitteln behandelt und so lasse ich ihn doch lieber am Feld.
    Das Rezept von dem köstlichen Salat habe ich gleich mal gespeichert, ich liebe diese Art von Salaten, sie ersetzen mir eine Mahlzeit.
    Ich wünsche dir einen schönen Sommer.
    L.G.Edith

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    1. danke dir, ja auch bei mir ist ein Salat mit Mais oder Hülsenfrüchten eine komplette Mahlzeit, vor allem im Sommer :-)

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  7. Hallo Friederike,
    ich bilde mir ein, ich hätte Deinen bunten Teller schon kommentiert, aber vielleicht doch nur gelesen, gefreut und vergessen etwas zu schreiben.
    Ich mag auch dieses österreichische Wort Kukuruz. Kürzlich war ich in Tschechien, da heißt Mais auch so ähnlich - da wusste ich gleich, was gemeint ist. Die böhmische Küche hat auch viel von der Österreichischen (oder umgekehrt), die gemeinsame Geschichte prägt. Mais vertrage ich nicht so gut, mag ihn aber ab und zu ganz gerne.
    Liebe Grüße
    Barbara

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    1. die böhmischen Köchinnen im alten Wien sind bis heute legendär...
      lg

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